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Autor: Betreff: Der Mensch und das Rechthaben
Lux
Lux


Beiträge: 4
Registriert: 28/11/2011
Status: Offline
Geschlecht: weiblich
red_folder.gif erstellt am: 1/12/2011 um 18:58  
Ich habe die verschiedenen Beiträge bis jetzt mit grosser Spannung gelesen. Dabei ist mir eine ganz besondere Sache aufgefallen, die man als die „Kunst der objektiven Meinung“ umschreiben könnte. Diese Kunst gleicht der Suche nach der vollkommenen Schönheit von dem Maler Albrecht Dürer, Nachdem er Jahre lang die schönsten, jungen Menschen in seiner Umgebung in sein Studio holen liess, fand er sie schliesslich in den Falten und dem Augenausdruck einer alten Frau, in den traurigen Augen eines hässlichen Mädchens, in der Bescheidenheit eines Krüppels. Beides ist eine Fatamorgana der man endlos durch geistige Wüsten folgen kann, denn sie existiert nicht. Nur in unserer Wahrnehmung die uns eine allgemeingültige Wahrheit vorgaukeln möchte. Ich versuche euch das anhand eines anderen Beispiels zu erklären: Ich kannte einen Mann mit unglaublichen intellektuellen Fähigkeiten. Er war so raffiniert, dass er jeden überführten Serienmörder von seinem Urteil hätte freisprechen lassen können. Er war immer freundlich, immer fair, immer auch bereit, seine eigene Meinung zu hinterfragen, aber auf eine Weise, die keine Kompromisse zuliess – versteht ihr, was ich meine? Er sagte zwar immer auch, dass er seine Meinung unmöglich für die allumfassende Wahrheit halten könne, aber irgendwie hatte er doch immer recht, komme was da wolle. Diese intellektuelle Sturzflut schien eine seltsame Angst vor der Leere zu verbergen. Eines Tages besuchte er mich und ich sprach ihn auf seine unterschwellige Dominanz und auf seine Ängste an. Wieder lief sein rhetorisches Hochleistungsprogramm ab und er ratterte sämtliche Argumentationen runter, die meine Meinung für null und nichtig erklärte. Das machte er so gut, dass in mir eine kindliche Traurigkeit und Wut aufstieg, angegriffen und mundtot gemacht zu werden. Da hatte ich plötzlich eine Idee: Es war Sommer und der Himmel war von einem reinsten Blau, nicht mal das kleinste Wölkchen war zu sehen. Ich sagte zu ihm: “Hey, wollen wir ein Intelligenzspiel spielen?“ – „Ein Spiel?“ - „Ja, wenn du mich von etwas ganz unmöglichem überzeugen kannst, hast du gewonnen“, grinste er. „Klar, im Überzeugen bin ich gut! Von was soll ich dich überzeugen?“ - „Überzeuge mich, dass es in einer Stunde regnen wird!“ - „Oh Mann, das ist echt eine Herausforderung, hmm, mal sehen...“ und er begann auf meisterhafte Weise zu argumentieren. Er wusste ständig alles besser, erfand auf jede meiner Argumente geschickt meteorologische Anomalien und belegte diese am Verhalten irgendwelcher Vögel, die er auf dem Weg zu mir gesehen hatte – bis ich schliesslich lachend in die Hände klatschte und rief: „Gratuliere, du hast gewonnen. Dem habe ich nichts mehr entgegen zu setzen!“ Er grinste breit und dann sagte ich: “Aber jetzt habe ich noch eine Frage!“ - „Welche denn?“ – Ich lachte: „Und … WIRD es heute regnen?“ - „Äh, du meinst nicht im Spiel?“ - „Nein, in echt.“ - „Natürlich nicht, der Himmel ist wolkenlos.“ - „Ahnst du was ich dir sagen möchte?“ Er sah mich etwa 2 Minuten verdattert an, schliesslich half ich nach: “ Schau, du hast mich überzeugt, dass es regnen wird, aber dennoch wird es nicht regnen. Nur einfach Recht zu haben bedeutet noch lange nicht, dass man wirklich die Wahrheit der Dinge erfasst hat. Ganz im Gegenteil, manchmal lenkt das brillante Wissen von dem Wesen der Dinge ab.“ Da war der Groschen gefallen. Er war mir auch nicht böse, sondern lachte nur und meinte gutgelaunt: „Hast mich aber erwischt, was?“

Liebe und Kraft euch allen
Phaedra


____________________
Phaedra
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Multum Umbra

GeorgeTheMerlin
Beiträge: 1465
Registriert: 3/2/2006
Status: Offline
Geschlecht: männlich
red_folder.gif erstellt am: 1/12/2011 um 23:11  
Hi Phaedra

Auf der Oberfläche des Lebensfilmes tanzen hier die Dualitäten - Schön und Häßlich - Recht und Unrecht - Ich und NichIch - und wir werden da so seltsam hineingezogen. Dabei merken wir gar nicht, dass wir damit wie Spielfiguren auf einem Schachbrett von Gewinnen und Verlieren handeln - merken nicht, dass selbst Gewinner nur Spielfiguren sind, die sich im Spiel der Ich-Süchte verloren haben.

Diese Erkenntnis deutest du an mit dem Begriff Fata Morgana. Albrecht Dürer, dein erstes Beispiel. Geht es darum, das Spiel zu verlassen?

Als Spielfiguren werden wir mehr und mehr zu Dämonen unserer Selbst, d.h. vom Unbewußten gesteuert, bis selbst Freiheit nur irgendeinein verborgener Zwang unseres Unbewußten ist.

Dann kommt jemand, der intelligent und brilliant genug sein SOLLTE, um das Spiel der Fata Morgana zu durchschauen. Deine zweite Person.

Sein innerer Dämon, sein innerer Zwang, um den herum er seine gesamte Ich-Maske aufbaut, ist ANGST VOR DER LEERE. Sein äußeres Spiel dient dazu, diese Leere zu übertünchen, sie vor seinen eigenen Augen zu verbergen. Er versucht, sein Beifall zollendes Publikum zu HELFERN seines Versteckspiels zu machen.

Publikum wird oft zum Helfer gemacht, seine Realität vor sich selber zu verbergen. Daher ist im Akron Tarot auch das Legespiel DER BLINDE FLECK sehr interessant.

Ein Mönch, allein in seiner Zelle - hat kein Publikum. Er wird viel mehr mit sich selbst konfrontiert - was der Sinn eines solchen Exerciciums ist. Die INNEREN MECHANISMEN zu unterbrechen.

Auch auf einem Forum - bekommen wir keinen Beifall - kann unser MECHANISMUS schmerzhaft unterbrochen werden - und dann beginnt der Kampf auf der persönlichen Ebene. Schatten gegen Schatten. Eine andere Variante lernen wir auch des öfteren Kennen - Nicht-Beifall, dafür aber moralischer Richter und Erzengel mit Flammenschwert.

Dieser INNERE MECHANISMUS, dessen Motiv und Brennstoff in deinem Beispiel Flucht vor Leere ist, macht sein ganzes Leben aus - und nur Wenige durchschauen, wie tot und unfrei so ein Mechanismus ist. Er selbst am Wenigsten. Vielleicht wird er sein ganzes Leben lang niemals wissen, dass sein einziger vor ihm verborgender Lebenssinn ist, gegen seinen Angstdämonen zu kämpfen.

Gerade Erfolg mit seiner Masche - durch beifälliges Publikum und ÜBEREINSTIMMUNG eine Schein-Realität zu erreichen - ist der Höhepunkt der Verschleierung seiner wirklichen Realität. Der Schleier wurde einen kurzen Augenblick überlistet - ah - brilliant - lächeln - geniale Vorstellung - Vorhang zu.

Eine offene Frage ist, wie er weiter mit diesem kurzen Augenblick umgegangen ist - in Augenblicken, wo er ganz alleine mit sich ist. Ohne Publikum.

Dann kommt eine sehr alte - kollektiv geladene - TODESANGST.

Wir mögen erkennen, dass das Ich eine Illusion ist. Aber diese Illusion scheint das Einzige zu sein, was wir haben. Und eine Illusion zu haben ist besser als nichts zu haben.

Meine Partnerin, die in diesem Sektor arbeitet, hat mir erzählt, dass viele sehr alte Menschen nicht einschlafen wollen - weil sie keine SICHERHEIT mehr haben, am nächsten morgen wieder zu erwachen.

WIE SCHRECKLICH IST SOWAS?

Droht das ICH zu sterben - beginnen wir uns zu wehren - dann kämpfen wir ums Überleben. Selbst einen kranken und leidenden Körper zu haben ist besser als - NICHTS.

Aus dieser Realität, die wir nur selten konfrontieren, mögen wir Geschichten erfinden, wie ein verstorbener Geist aus demselben inneren Zwang heraus einen Körper zu besetzen sucht. Die Sucht des Geistes nach einem Körper. Besser ein bischen mitkontrolliert als dieses NICHTS.

Das Spiel zu verlassen, ist ein ABGRUND!

Als Dürer die Fata Morgana, der er verfallen war, erkannt hat, da suchte er wohl die Schönheit in Menschen zu finden, die sich dem Abgrund nähern! Alter zwingt uns zu einer Konfrontation mit unserer Realität - und hier fand er wohl eine tiefere, realistischere Schönheit als das, was WERBUNG ist.

Die eine Art der Schönheit ist also immer irgendein Aspekt von WERBUNG. Aber selbst deine geschilderte Person WIRBT mit Brillianz und Intelligenz - gegen seinen Schatten.

Die Realität wirbt, wie Buddha schon erkannte - mit Krankheit, Alter und Tod. DAmit verließ er sein reiches Idyll - und wollte ES wissen. Auch Crowley suchte später alte und kranke Frauen für seine Sexualität - scheint so, als wollte er ES auch wissen. Wir wissen von vielen großen Lichtern der Geschichte, dass sie erst einmal in die WÜSTE gingen - eine Matapher dafür, dass sie die LEERE jenseits der Illusion erkundeten - konfrontierten.

Magische Traditionen hatten wohl auch diese Exercicien der Konfrontation mit der LEERE. Heute scheint Magie oft eine STRATEGIE der kleinen Schritte zu sein - man erkennt zu einem gewissen Grade die Illusion - lehnt das Spiel ab - konfrontiert aber nicht die LEERE - sondern sucht das GEHEIMNIS.

So sucht man dem Spiel ein GEHEIMNIS zu entlocken - vielleicht eines, womit man das Spiel noch besser gewinnen könnte - vielleicht Lottozahlen erpendeln, Energien verbessern, Dinge berichtigen, kontrollieren, Kontrolle und devotes Geschehenlassen, Dämonen überführen, Schattenvertreiben, Schleier lüften, ich sehe was du nicht siehst und wir haben prompt ein neues Spielfeld erfunden welches Figuren sucht und findet - UNS!.

Auch in der Kunst, auch Dürer - tote Augen sehen ein junges Mädchen. Wenig ist mehr als Nichts. Wenig wird somit sehr viel - im Nichts. Im verdrängten Nichts ist sehr wenig ALLES - wie ein All.

Die Frage, wie wir im Nichts kreieren können, führte zu Angst-Lösungen, die ein kreativer Geist aus dem EIGENEN NICHTS heraus nicht nötig hätte.

Unsere Dämonen, unsere unbewußten Schattenanteile, sind ALLERDINGS sehr intelligent und brilliant!

Sagen wir ihnen, dass wir sie durchschaut haben, dann lachen sie gutgelaunt und sagen: Hast mich aber erwischt, was?

YES!

gutgelaunte Grüsse merlYnn


[Editiert am 2/12/2011 um 01:34 von GeorgeTheMerlin]
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Artifex

Vergil
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red_folder.gif erstellt am: 2/12/2011 um 00:43  
dein bisheriges meisterstück. ich verbeuge mich in anerkennung dieses absolut brillanten postings. ich bin hin und weg. danke merlin. du hast mir aus der seele gesprochen mein freund.
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Administrator
Multum Umbra

GeorgeTheMerlin
Beiträge: 1465
Registriert: 3/2/2006
Status: Offline
Geschlecht: männlich
red_folder.gif erstellt am: 2/12/2011 um 00:57  

Zitat von Vergil, am 2/12/2011 um 00:43
+ du hast mir aus der seele gesprochen mein freund.


Das hoffe ich ja, mein Freund!

Nach alledem Recht und Haben, dem Dies und Das und Seitigen bin ich froh, dass du wieder dabei bist, auf dem Forum! Ich weiss deine Energie hier sehr zu schätzen! Wir kommunizieren hier ja manchmal mit Sichtbarem und Unsichtbarem. Das ist durchaus eine Form der KUNST! Was beide Posts betrifft und zu dieser Mehrschichtigkeit der Gechichten führt..

liebe Grüsse merlYnn.


[Editiert am 2/12/2011 um 01:37 von GeorgeTheMerlin]
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Administrator
Artifex

Vergil
Beiträge: 108
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red_folder.gif erstellt am: 2/12/2011 um 01:38  
Phaedra ich fände es noch schön wenn du im Vorstellungsthread ein paar Worte über dich schreiben könntest. Ist hier guter Brauch und dann wissen die Leute bei Posts auch wer du bist :) Ansonsten ein schöner Artikel.
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Lux
Lux


Beiträge: 4
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red_folder.gif erstellt am: 5/12/2011 um 13:32  
Hey Vergil! 

Ach so läuft das! Man darf bzw. sollte sich sogar vorstellen., wusste ich nicht. Das Medium Forum habe ich bisher noch nicht genutzt. Klar mach ich, bin momentan auswärts am musizieren und nicht daheim, kann also noch dauern.
Viel Kraft!


____________________
Phaedra
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Lux
Lux


Beiträge: 4
Registriert: 28/11/2011
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Geschlecht: weiblich
red_folder.gif erstellt am: 5/12/2011 um 13:33  
Hi George!
Das freut mich ja riesig das gleich du etwas geschrieben hast – und dann noch eine so vollkommene soziale Analyse des Phänomens das ich darstellen wollte, du triffst ganz genau den Punkt. Ja es sind die Ängste im Kostüm der vermeintlichen Stärke, die ich ansprechen wollte. Und wie du so schön sagst das Recht, Unrecht, Gewinnen nicht gewinnen, ein Hamsterrad dem man sogar dann nicht entkommen kann wenn man überzeugt ist selbst nicht in ein duales Spiel des Egos verwickelt zu sein.
Zitat: Publikum wird oft zum Helfer gemacht seine Realität vor sich selber zu verbergen
Du sagst es, wie oft ertappt man nicht andere und sich selbst dabei wie man eine Reaktion aus dem Aussen erzwingt um sich eine negative oder positive Bestätigung zu holen (was, glaube ich, im Grunde genommen das selbe ist).
Wirklich eine wunderschöne Antwort die du da geschrieben hast, da hat Vergil ganz recht :-)
Liebe und Kraft!


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Phaedra
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