Thema: Seelenverwandtschaft. Story von Stinkbombe.

Forum: Geschichten

Autor: Cryz-Tyan


Cryz-Tyan - 9/2/2011 um 03:57

Die Stimmung in der Stadt war wie sie für diese Stadt zu dieser Zeit üblich war. Man spürte oft das Verlangen des anderen, dass dringend etwas passieren müsste. Etwas phantastisches. Etwas erträumtes. Dem trott entgegenstemmend. Chancen zu irgendwas mussten her.

An einem Abend in der Party WG, dem Treffpunkt für Pokern/Bier und all dem anderen Kram machte ich mir mit Dani ein "Date" aus. Natürlich sollte es nicht so klingen. Wie es ebenso ist. Die Freikarten für den Kletterpark ausserhalb der Stadt mussten ja schließlich genutzt werden bevor sie ablaufen würden. Trotzdem irgendwie so ein halbherziges ding...

Und so verabredeten wir uns für den Nachmittag an der Brücke. Sie auf dem Fahrrad, ich joggend. Sie bequem...ich wollte nützliches mit nützlichem verbinden. Gesunder Sport und eine Prise "Sportlicher Typ" vermitteln. Ein bisschen Gras hatte ich auch mitgenommen. (hab ich ihr davon erzählt?...wollte die nur kiffen statt klettern?!?) Ich wollte es ehrlich gesagt. Einmal im Quartal reißt es mich.

Auf dem Weg zur Brücke fing es an tröpfeln. Was mich ehrlich nicht weiter störte.
Das warten auf Madame beunruhigte mich, als es ein paar Tropfen mehr wurden. Als sie dann endlich kam trug sie schon einen gelben Regenmantel und öffnete ihren Regenschirm für uns.

Wir gingen ein Stück und redeten, ob es denn sinnvoll wäre bis zum kletterpark zu gehen...es würde bestimmt mehr regnen...gerede.....hin und her, scheinbar. Keiner hatte lust. Ich sagte ihr, dass ich ein bissl was für zwei dabei hab. Sie schlug vor in den Park vor den Uni zu gehen. Als wir vor den 100 Stufen der Uni standen lag hinter und einsam der Park. Wir zauberten und drehten im stehen unter dem Schirm.

Wir gackerten über dies und das. Es fing an richtig zu regnen. Fertig gedreht!
Freude!
Wir rauchten auf und spazierten ein Stückchen und setzten uns vor einem Teich auf die Obere Kante der Parkbank. Es goß. Es schüttete. Wir redeten. Es setzte sehr langsam ein. Wir merken es erst an der Parkbank. Vor uns ein Vorhang aus Wasser. In uns ein Meer.

Nur und aussschließlich Sturzflut- geräusche.

Nur Wasser zu hören.

Beide unter einem Schirm.

Stoned. Dicht. Labern.
Und dann saßen wir einfach da. Eine surreale Welt tat sich vor uns auf. Regenzeit. Und wir mitten in einem Meer, das von oben nach unten fließt. Keine Menschen. Alleine mitten in der Stadt, inder nun jeder vernunftbegabte Mensch im trockenen war und dieses phantastische Schauspiel verpasste. Zwei verschworene die die Welt sehen.

Einander verstehen. Spannung. Sich nahe sein. Sich nahe fühlen. Alles schrie nach einem Kuss!
Oder sowas.... Einem Ausdruck von Verbundenheit.


Trotzdem wollten wir schließlich einen Ortswechsel. Oder besser ich wollte es. Also gerade deswegen. Sonst hätt ich sie küssen müssen. Oder kuscheln. Die Welt hätte etwas erwartet. Und das war mir doch ein bisschen unheimlich. Denn zu ihr hingezogen gefühlt hatte ich mich vorher nie.

Also schlug ich einen Ortwechsel vor.
Aufstehen!
Nochmal merken, dass man high ist. strecken. Tief ein und ausatmen. Die beste Luft, die es gibt.
Doch wohin? Als wir uns umdrehen ist 5 Meter hinter uns ein Spielplatz. Ein nicht mit allzu großen strapazen erreichbares Ziel fand ich. Ja, Spielplatz ist super. Wie mit 13 in so einem Rutscheturm stehen. Coole Sache. Ich sags ihr, sie findet es erst komisch (sie tut so...), aber dann kommt auch ihr die Zündung. Geniale Sache!
Wir belabern uns, es ist ja wie früher, habt ihr das auch gemacht? Oh JaaJAJAJAJAA klar!
Im Rutscheturm ohne Rutsche und einem Turm, der keiner war standen wir dann da mit unserem Talent.
Ein Kerl, der irgendwie seltsam unentschlossen von der Situation ansich wie paralysiert ist. Und ihr ging es auch so. Und so redeten wir, quatschen. Reden über träume.
Schließlich ging es irgendwie um ein Kinderbuch, das Sie schreiben wollte. Sie wisse aber noch nicht genau um was es gehen sollte...
Und was dann passierte ist nicht schwer zu beschreiben, also mit irgendwelchen worten. Aber sehr schwer mit den richtigen zu vermitteln. Und auch zu begreifen.

Zuerst gemeinsames herumspinnen...doch dann irgendwann...
Wenn man feststellt, dass man denkt, was der andere denkt.

Wirklich. Wirklich.

Wir erzählten uns die Geschichte gegenseitig. Abwechselnd von einem Satz und staunen, lachen, dass der andere das sagt, was man denkt...bis zum nächsten Satz.
Wir waren wirklich beieinander. Zusammen. In unserer Fantasie, in unseren Bildern. In unserer wunderschönen Geschichte versunken. Sie war wie eine riesige Analogie zum Wesen der Welt und dabei so mut schaffend, heilsam und...da fehlt mir ein Wort. Eben was wirklich gute Kindergeschichten ausmacht.

Ich habe sie nie wieder getroffen. Sie schrieb mir die nächsten 2 Tage eine Sms, ob ich ein bisschen was zu rauchen hätte, ein Rauchpiece, irgendwas machen....
Ich hatte wirklich nichts. Sie schrieb mir dann was mit....ich versteh schon. So ein Frauen "ich versteh schon, du willst nichts von mir..." Es ging nicht um das Gras.

Ich konnte ihr einfach nicht schreiben, dass ich mit dem erlebten irgendwie überfordert war und das ganze erstmal verdauen musste. Und habs dann auch gelassen. Ich glaube es hätte etwas sehr großes zwischen uns bedeutet, aber es war für mich nicht der richtige Zeitpunkt. Wieso weiss ich bis heute nicht. Aber es war kein Fehler.

Ich hoffe sehr, dass sie die Geschichte irgendwann schreibt, oder sie schon geschrieben hat.
Und dass sie andere Menschen...vor allem Kinder lesen können.
Ich kann mich nicht mehr an die Geschichte erinnern. Aber ich wäre gerne wieder in ihr.


Ende

Serafia_Serafin - 10/2/2011 um 20:11

Ich finde, wir brauchen hier ganz klar einfache "Gefällt mir" Buttons :)

Nice one!

Cryz-Tyan - 10/2/2011 um 23:21

:) Freude!


[Editiert am 11/2/2011 um 01:00 von Cryz-Tyan]

Vau - 13/2/2011 um 21:35

Wenn es autobiographisch ist:Hinterher!
Wenn nicht:Schön

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