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Autor: Betreff: Die Kraft des Mondes
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Luinwe
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smilies/achtung.gif erstellt am: 15/5/2007 um 18:43  
Hi, ich stell hier mal meine Geschichte rein. Ich hoffe auf Kritik und Meinungsäußerungen. Viel Spaß beim lesen ^^


Prolog
Kampf der Elben


Wieso führen Völker Kriege gegen einander? Wieso bringen sie sich gegenseitig um, auf eine solch grausame Weise? Weil sie das tun, was von ihnen verlangt wird. Doch wieso verlangt man dies von ihnen? Weil es jene gibt die es so wollen. Sie sind der Meinung, dass ihr Volk mehr recht zur Existenz habe als das des Anderen. Es sich deshalb zu fügen hat oder es wird vernichtet. Wie kann man nur solch etwas glauben? Sind wir denn nicht alle die Kinder der Götter? Haben wir denn nicht alle das Recht auf Existenz, einen freien Willen und ein freies Leben? Wie kann sich jemand anmaßen zu entscheiden, wer Anspruch auf diese selbstverständlichen Dinge hat und wer nicht?
Ich glaube nicht dass unsere Urahnen dies gewollt hätten. Jedes Volk hat das Recht zu Leben und sich zu Entwickeln. Es gibt genug Lebensraum, Nahrung und Luft für jedes einzelne Geschöpf. Also frage ich mich, wieso?!
Ich denke, ich werde das nie verstehen und solange es auch nicht die Anderen tun, wird es Kriege geben. Vielleicht werden die Götter eines Tages dem ganzen Einhalt gebieten und das Morden wird ein Ende haben, doch bis dahin heißt es, das Beste daraus zu machen und seine Freiheit zu bewahren. Doch auch dies geht nicht ohne dafür zu kämpfen und selber zu Töten. Es ist ein ewiger Kreislauf der nie Enden wird, wenn nicht endlich alle zur Vernunft kommen.
Obwohl mein Volk seit Jahrtausenden den Frieden anstrebt, gelingt es uns nicht dies zu erreichen. Auch wir sind eines der Völker, das für seine Freiheit kämpfen muss. Wir leben im Einklang mit unserer Umgebung, respektieren und akzeptieren jedes andere Geschöpf. Selbst die Magier fallen darunter, obwohl sie uns schon seit Anbeginn der Zeit nicht dulden. Sie sagen, wir Elben sein es nicht Wert zu Existieren, wir würden die Welt mit unserem Zauber vergiften und vernichten. Wir seien wie eine Krankheit die nicht zu Heilen sei und deshalb ausgerottet werden muss. Wie absurd es ist ein Volk mit einer Krankheit zu vergleichen, doch ihre Lügen tragen Früchte. Wir sind schon lange nicht mehr überall gern gesehen, man verachtet uns oder hat Angst.
Das Land im Westen jenseits der Gebirgskette jedoch, ist bisher verschont geblieben. Noch haben die Magier ihre fürchterliche Saat nicht gepflanzt und die Menschen dort halten uns für Märchenfiguren. Das ist gut, denn es zeigt dass sie uns noch achten.
Ich Alexiel El´schyl, Tochter der Königin Masila El´schyl, Thronfolgering der dritten Erbgeschichte, habe versucht diesen Krieg abzuwenden. Doch vergebens.
Wer hätte ahnen können, dass meine Handlungen diesen Streit nur noch schlimmer machen würden? Gewiss nur die besten Seher. Doch hätte nicht Liebe und und die Verbindung zwischen einer Elbin und einem Magier den Konflikt beenden können? Was hätten sich die beiden Völker denn mehr Wünschen können außer eine Gleichstellung?
Die Antwort auf diese Frage war, dass ich zu naiv sei und dass ein Magier niemals eine Elbe lieben würde geschweige denn könnte.
Und somit haben Jazan und ich alles nur noch schlimmer gemacht. Die Königen und der Meister Magier haben diese Verbindung für eine Täuschung gehalten und somit dem Krieg freie Bahn gelassen.
Nur noch wenige Augenblicke und das Morden beginnt wieder.


Der Geruch von Tod, getragen vom kühlen Herbstwind, wehte umher. Er hatte seinen Ursprung einige Meilen Nördlich. Dort lag das Ga´ria-Tal, eine kleine, grüne Ebene.
Hier ist die Heimat der Elben, dessen Hauptstadt Kostamerna direkt am Ende des Flusses Indref liegt, so wie der Berg Izlandia und seine kleinen Brüder Planca und Pliava.
Planca war der kleinste Berg mit vielen kleinen Vorspürngen, Höhlen und Gängen die vom Fuße des Berges sich bis zum Gipfel erstrecken.
Auf einem Kleinen Vorspurung, einige Meilen unter dem Kipfel, stand eine Elbin und blickte in Richtung Norden, wo der seltsame Geruch herkam.
Ihr Gesicht war von makelloser, junger Schönheit, mit rosa geschwungen Lippen und funkelnden blauen Augen. Ihr strahlend gelbes Haar wehte im Wind, so wie das weiße Kleid das sie Trug. Es war einfach gehalten und schmiegte sich ihrem dünnen, jedoch kraftvollen, Körper an. An einem silbernen Gürtel befestigt, hing ein Kurzschwert. Sein Griff war schlicht aber durch kleine rote Edelsteine wunderschön.
Als sie den süßlichen und zugleich modrigen Geruch des Todes wahrnahm, füllten sich ihre Augen mit Tränen. Als sie sie langsam schloss, ran ihr eine Träne die Wange hinab bis zum Kinn und löste sich dann. Mit einem leisen, plätschernden Geräusch landete sie auf dem trockenen Stein.
Hinter ihr, aus dem Schatten des Höhleneinganges, tauchte der Kopf eines Drachen auf und anschließend stück für stück der restliche Körper. Der Drache war ungefähr 25 Fuß hoch, hatte ein silbernes Schuppenkleid so wie zwei silberne, große, geschwungene Hörner und immer kleiner werdende Stacheln vom Rücken abwärts. Ihre Augen waren ebenfalls blau und sahen die Elbin liebevoll an, dann sagte sie mit leiser Stimme,
„Also hat der Kampf begonnen!„
Die Elbin legte eine Hand auf das Vorderbein des Drachen.
„Ja das hat er, Kiria. Das hat er.“
Mit einem leisen Brummen schwenkte die Drachendame ihren Kopf zu der Elbin und leckte ihr, mit der rauen Zunge, über die Wange.
„Oh Alexiel, es ist nicht deine Schuld. Der Krieg war vorher zu sehen. Du hast vielleicht nur die Zeit bis dahin verkürzt.“
„Ich hätte einen anderen Weg finden müssen. All diese tapferen Elben, sie werden sterben. Ich als Thronnachfolgerin habe die Pflicht mein Volk zu beschützen. Doch stattdessen stürze ich es in ihr Unglück“,

sagte die Elbin mit trauriger und leicht zittriger Stimme
„Du weißt dass das nicht stimmt, du hätte nichts daran ändern können. Es liegt in der Natur der Magier andere Völker zu unterdrücken“,
wandte Kiria ein.
Mit einem kleinen Seufzer richtete sie ihren Blick wieder in Richtung des Schlachtfeldes. Westlich, an der Grenze des Ga´ria-Tals zum Gebiet der Magier brannte es an einigen Stellen. Zum Glück breitete sich das Feuer nicht aus, da es die Tage zuvor ununterbrochen geregnet hatte. Die Erde war feucht und matschig, die verdorrten Gräser durchnässt. Es dauerte nicht lange bis die letzten Flammen verloschen.
Der Drache schüttelte den Kopf, blickte dann wieder zu Alexiel und sagte,
„Mach dir nicht so viele Gedanken, denn ändern kannst du das Geschehende nicht. Es bleibt keine Alternative mehr übrig außer der Kampf oder willst du das dein Volk sich unterwirft?“
„Niemals, mein Volk hat das Recht auf Freiheit!“
„Also muss es dafür kämpfen.“

Alexiel drehte sich um und ging in Richtung Höhle. Bevor sie in ihrem Schatten verschwand, blickte sie noch einmal kurz zum Schlachtfeld. Leichte Gleichgültigkeit klang in ihrer Stimme, als sie sagte, „Du hast Recht, wir befinden uns im Krieg. Ich sollte Seite an Seite mit ihnen kämpfen und wenn, dann auch mit ihnen Sterben.“


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Luinwe
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red_folder.gif erstellt am: 15/5/2007 um 18:45  
1. Kapitel
Jägerin


„Shiva nun komm schon. Wenn wir uns nicht beeilen und wir keinen sicheren Rastplatz gefunden haben bevor die Sonne untergegangen ist, dann ist das sehr gefährlich!“
Ein Junge stand, auf einem Hügel inmitten einer kleinen Lichtung. Er war groß gewachsen und hatte einen leicht muskulösen Körperbau. Seine Gesichtszüge waren markant aber zugleich auch jungenhaft und kindlich. Seine schwarzen zotteligen Harre hingen ihm im Gesicht und verdeckten eine kleine Narbe rechts an seiner Augenbraue. Er trug ein Breitschwert, welches an einem schwarzen Gürtel, mit goldenen Stickereien, hing und einen Bogen mit Köcher und Pfeilen.
Mit seinen fast 18 Jahren kannte er sich besser als alle Anderen in den Wäldern aus. Er fühlte sich hier geborgen und es war für ihn wie sein zu Hause.
Der Junge hielt Shiva eine Hand hin, um ihr zu helfen einen kleinen Vorsprung zu erklimmen.
Sie war das absolute Gegenteil von ihm. Ihr Gesicht war mädchenhaft und sanft, so wie ihre Körperform. Sie hatte eher das Antlitz einer Adligen als von einem einfachen Bauernmädchen und angehenden Jägerin. Ihre braunen Haare waren leicht gelockt und hingen ihr im Gesicht. Mit einer eleganten Handbewegung strich sie eine Locke beiseite und funkelte den Jungen zornig, mit ihren grünen Augen an.
Shiva fühlte sich alles andere als geborgen. Ihr war das lästige wandern ein Dorn im Auge. Sie war Müde und ihr war kalt. Durch die angesammelte nässe im Wald, war ihr dicker Pullover klamm und hielt auch nicht mehr richtig warm.
Die beiden waren jetzt schon seit drei Tagen unterwegs und hatten immer noch kein Wild gefunden. Sie folgten zwar der Spur einer Hirschherde, hatten aber noch kein einziges Tier davon entdeckt.
Als Shiva endlich auf dem kleinen Vorsprung stand, nahm sie ihre Taschen vom Rücken, setzte sich auf einen Stein und sagte.
„Arat ich kann nicht mehr! Ich bin müde und habe Hunger.“
„Mir geht es nicht anders. Dort hinter ist ein gutes Versteck, da können wir unser Nachtlager aufschlagen. Es ist nicht mehr weit.“
„Na gut, aber wenn wir da sind, gehe ich keinen Schritt mehr weiter“,

sagte das Mädchen trotzig.
Arat nahm den Rucksack und gab Shiva dafür den Bogen und den Köcher mit den Pfeilen. Langsam machten die beiden sich auf den Weg zu einer kleinen geschützten Stelle am Waldrand.
Als die Sonne schon fast verschwunden war und nur noch schwaches Dämmerlicht durch die Bäume drang, erreichten sie die Stelle. Shiva legte den Bogen und Köcher an einen Baum und schnallte sich ihr Flammar ab. Das Flammar ist ein einhändiges Schwert, dessen Griff sich genau an die Hand anpasst und mit kleinen roten Edelsteinen besetzt ist. Seine Klinge glänzte rotgolden in der Abenddämmerung, als Shiva das Schwert aus der Scheide zog. Ihr Blick musterte es von oben bis unter. Arat, der gerade mit ein Paar Ästen und Stöcken versuchte ein Feuer zu entfachen, sah fluchend zu Shiva hinüber und betrachtete ebenfalls das Schwert und sagte,
„Es ist wunderschön. Du solltest so ein Schwert in ehren halte.“
„Das werd ich auch, schließlich ist es das letzte was ich von meinen Vater noch habe. Ich bin stolz darauf, dass er es mir vererbt hat und nicht meinem jüngeren Bruder.“

Arat lächelte Shiva kurz zu und widmete sich anschließend wieder dem Feuermachen. Das Holz war zu nass, deshalb mussten die beiden die Nacht ohne ein wärmendes Feuer überstehen. Sie setzten sich nebeneinander und deckten sich zu. Arat begann mit der erste Wachschicht, denn nachts war es am gefährlichsten im Wald.
Zu dieser Zeit kamen sie seltsamsten Wesen aus ihren verstecken gekrochen, auf der Suche nach Nahrung. Es gab unheimliche Geschichten von riesigen Monstern, die so groß waren wie Häuser und lange Klauen hatten wie Schwerter. Er wusste nur zu gut, dass das die Märchen von alten Männern waren um den Kindern Angst einzujagen. Er selbst wurde in diesen Wäldern groß und wusste dass es hier Bären und Wölfe gab. Andere gefährliche Tiere waren ihm noch nie begegnet und schon gar nicht welche aus den Geschichten.
Shiva lehnte sich zu Arat hinüber und kuschelte sich an seinen warmen Oberkörper. Er sah sie liebvoll an, legte seinen Arm um sie und strich ihr eine Locke aus dem Gesicht. Mit der anderen Hand nahm er sein Breitschwert zu sich, nur zur Sicherheit.
Arat hatte sich freiwillig gemeldet um Shiva das Jagen und Fährtenlesen beizubringen. Er wollte sie dadurch besser kennen lernen, denn im Dorf hatten beide ihre Aufgaben zu erledigen und nur wenig Zeit. Er genoss ihre Gesellschaft und entdeckte immer mehr Eigenschaften an ihr. Im Dorf benahm sie sich immer sehr mädchenhaft und eitel. Die anderen Jungs fanden sie Arrogant und zickig. Er selbst spürte irgendwie das noch mehr in ihr steckte als das äußere Erscheinungsbild hergab.
In den letzten zwei Tagen bestätigte sich jedoch alle ihre negativen Eigenschaft und dazu kam noch ihr Dickkopf und die Tatsache, dass sie schnell schlecht Gelaunt war. Schon nach den ersten Paar Stunden, nach ihrem Aufbruch, beschwerte sie sich, dass ihre Füße wehtaten, sie Hunger hatte und dass sie wieder zurück wollte. Arta blieb stur und ging immer weiter. Er erklärte ihr wie man Fährten las und merkte, das Shiva allmählich immer Wissbegieriger wurde, je länger sie unterwegs waren. Gestern schon konnte sie perfekt die Fährte der Hirschherde lesen. Shivas Einstellung besserte sich schlagartig und nun wollte sie immer mehr lernen. Sie nervte ihn sogar solange bis er einwilligte ihr, wieder im Dorf zurück, das Kämpfen mit dem Schwert bei beizubringen.
Bis jetzt konnte sie nur mit dem Bogen schießen aber auch das nicht besonders gut, das Flammar hatte sie nur für alle Fälle mitgenommen.
Er sah sie nun von einem ganz anderen Blickwinkel, sie schien nicht mehr das kleine arroganten Mädchen zu sein, viel mehr eine junge Frau die alles übers Jagen und Kämpfen wissen wollte. Die neue Shiva gefiel ihm, denn nun hatte er jemanden gefunden dem er alles beibringen konnte was er sich selbst angeeignet hatte und mit dem er seine Leidenschaften teilen konnte.
In Gedanken versunken schlief er ein.
Als die ersten Sonnestrahlen durch die Bäume drangen öffnete Shiva ihre Augen. Noch völlig verschlafen blinzelte sie ins helle Licht. Sie löste sich von Arats Umarmung und taste sich vorsichtig vorwärts. Plötzlich spürte sie etwas pelziges unter ihrer Hand und zog sie blitzschnell wieder zu sich heran. Sie musste sich anstrengen um durch die hellen Sonnestrahlen etwas zu erkennen. Nur mit Mühe schaffte sie es und blickte auf ein kleines, Zusammengekuscheltes, schwarzes Fellknäuel. Leicht zuckte sie zusammen und weckte damit Arat. Gähnend und streckend öffnete er die Augen und sah zu Shiva hinüber. Sie gab ihm einen kleinen Stoß in die Seite und Zeigte mit einem Finger in Richtung des Fellhaufens. Seine Miene ging von ärgerlich zu einekm kleine Lächeln hinüber. Langsam beugte er sich vor und gab dem haarigen Etwas einen kleinen Stups.
Es bewegte sich und ein kleiner Fuchskopf kam unter seinem Buschigen Schwanz zum Vorschein. Der kleine Kerl gähnte einmal herzhaft und entblößte dabei eine Reihe von spitzer Zähnen, bevor er sich wieder unten seinen Schwanz kuschelte.
Shiva saß immer noch wie angewurzelt auf ihrem Schlafplatz, während Arat aufstand und ihre Tasche mit dem Proviant suchte. Er fand sie ein kleines Stück weiter entfernt hinter einem kleinen Busch. Die Tasche war offen und durchwühlt. Ihre Wasserschläuche lagen unversehrt in der Taschen, ein Teil ihres Dörrfleisches jedoch lag auf dem Boden oder war verschwunden so wie etwas von dem Brot und dem Käse.
Arat sammelte den Rest ein und verstaute die Sachen wieder im Rucksack und schnürte ihn gut zu. Er ging um den Busch herum und wieder in Richtung des Fuchses. Er bliebt vor ihm stehen und stupste ihn vorsichtig mit dem Fuß an. Das Tier hob seinen Kopf und blickte Arat verschlafen an, der ihm den Rucksack hinhielt.
“Na hat es dir denn wenigstens geschmeckt, du kleiner Dieb!?“, sagte Arat spitzig.
Der Fuchs stand auf und ging einige Meter weiter weg um sich dort hinzusetzen. Er begann sich eine Pfote zu lecken. Shiva stand auf und ging zu Arat. Sie betrachtete mürrisch den Rucksack und sagte etwas besorgt,
“Ist es sehr schlimm?“
“Also für den Rückweg wird es nicht mehr reichen. Es wäre gut wenn wir heute die Herde entdecken, damit wir uns dann wieder auf den Weg nach Hause machen können. Ich hab dort hinten ein paar Spuren gesehen. Mit etwas Glück befinden sie sich nicht all zu weit von uns weg.“
“Dann lass und schnell etwas essen und dann auf den Weg machen.“

Nachdem die beiden etwas Brot mit Käse gegessen hatten, folgten sie den Spuren in den Wald hinein. Die Sonne Stand am höchsten Punkt, als sie vor sich eine kleine Gruppe von Hirschen sahen. Sie standen in einer Vertiefung und grasten. Arat nahm ganz leise seinen Bogen vom Rücken und hakte die Sehne ein. Shiva nahm ihren Rucksack ab und stellte ihn neben sich.
Die Tiere hatten sie zum Glück noch nicht entdeckt, denn die beiden standen gut geschützt hinter einem Busch und der Wind stand zu ihren Gunsten. Arat nahm einen Pfeil aus dem Köcher und spannte ihn an die sehne. Plötzlich löste er die Spannung und reichte Shiva den Bogen und den Pfeil. Sie blickte ihn etwas ängstlich und nahm beides zögernd an. Sie war dankbar für das große Vertrauen, das Arat an sie legte, hatte aber zu gleich auch große Angst daneben zu schießen. Würde sie jetzt nicht treffen, dann hätten sie für heute ihre Chance vertan.
Shiva atmete tief ein und Spante den Pfeil an. Arat flüsterte ihr etwas zu aber sie nahm ihn gar nicht wahr. Sie fühlte ihre Umgebung und wurde eins mit ihr. Sie erinnerte sich an alles was Arat ihr beigebrachte hatte und widerrief es in ihren Gedanken.
Sie berechnete die Flugbahn des Pfeils mit der Windstärke und aus welcher Richtung er kam. Dann suchte sie sich ein perfektes Ziel aus und schoss geradewegs den Pfeil darauf zu.
Sie hatte sich ein großes weibliches Tier ausgesucht und es direkt ins linke Auge getroffen. Das Tier sank leblos zu Boden, während seine Artgenossen voller Panik davon liefen.[/COLOR]


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Luinwe
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red_folder.gif erstellt am: 15/5/2007 um 18:46  
2. Kapitel
Rückweg


Nach der erfolgreichen Jagt, spürte Shiva viel mehr Elan in sich aufsteigen. Sie wollte unbedingt so schnell wie möglich wieder nach Hause und den anderen berichten was sie alles neues gelernt hatte und natürlich das prächtige Tier präsentieren, was sie erlegte. Nun war sie die jenige die Arat antrieb und vorlief, obwohl sie nicht wirklich den Weg wusste.
Arat lief mit Absicht etwas langsamer, er wollte die restliche Zeit hier draußen im Wald mit Shiva geniesen. Er wusste jedoch auch, dass sie sich beeilen mussten, denn würden sie das Dorf nicht erreichen, bevor das Fleisch schlecht wurde, wäre ihre Jagt umsonst gewesen.
Shivas Familie hatte das Fleisch dringend nötig, denn seit dem Tot ihres Vaters, ging es der Familie nicht besonders gut. Sie lebten auf einem kleinen Hof mit Schafen und Kühen. Die Hälfte ihres Feldes ist letzte Jahr unfruchtbar geworden, als ihr Vater starb. Keiner hat eine Erklärung dafür und es macht auch keinen Sinn danach zu suchen, denn es würde eh nichts an der Tatsache ändern. Ihre Mutter verdiente sich ein Paar Münzen durchs Stricken und Nähen, neben der alltäglichen Arbeit. Ihr kleiner Bruder war mit den Aufgaben auf dem Hof ausgelastet. Shivas Mutter erhofft sich ein bisschen mehr Vorräte für den Winter, als sie ihrer Tochter den Vorschlag machte Jagen zu gehen. Es war ihre einzige Hoffnung unbeschadet den Winter zu überstehen.
Arat selbst lebte bei seinem Onkel. Er war sein einziger lebender Verwandter. Als Arat erst 5 Jahre alt war starben seine Eltern, keiner wusste was es für eine Krankheit war. Er kam zu seinem Onkel Frievern, der ihn nur widerwillig aufnahm. Je älter und nützlich Arat seinem Onkel wurde, desto mehr fand er sich mit seinem Neffen ab und sah ihn bald als seinen Sohn an. Friverns Frau starb früh und danach hatte er auch nie wieder geheiratet und deshalb auch keine Kinder. Er führte eine Gerberei und weil er sein Handwerk verstand, kamen von überall her Leute und kauften seine Waren. Neben dem Schmied und dem Wirt des Gasthauses, war er ein sehr wohlhabender Mann. Eines Tages würde Arat das alles Erben und das Handwerk seines Onkels an seine Kinder weiter geben und die das an ihre Kinder und an deren Kinder. Doch bis dahin war noch genügend Zeit. Sein Onkel war gesünder als so manch andere seines alters.
Völlig in seinen Gedanken versunken übersah Arat einen kleinen Stein der seinen Weg kreuzte und stolperte über ihn. Shiva die das ganze beobachtet hatte fing laut an zu lachen. Arat blickte sie etwas verärgert an und setzte dann ein verlegendes Lächeln auf.
Shiva kam auf ihn zu und fragte noch leicht schmunzelnd,
„Was meinst du wie weit es noch ist?“
„Wenn wir uns beeilen, dann schaffen wir es noch vor Sonnenuntergang.“
„Das ist gut, ich kann es gar nicht abwarten die Gesichter der anderen zu sehen.“
Sie unterhielten sich den Rest des Weges über alles mögliche, lästerten über den einen oder anderen und genossen die letzten warmen Sonnenstrahlen dieses Abends.
Shiva war sehr überrascht, als die mehr von Arats Kindheit erfuhr. Sie dachte immer, dass er ein Junge mit vielen Flausen im Kopf gewesen sei, der nur Unfug trieb. Sein etwas wildes Aussehen und die Narbe in seinem Gesicht hatten sie damit immer bestätigt. Doch er war genau das Gegenteil. Er hat sich nie geprügelt, ging jeglichem Streit aus dem weg und half seinem Onkel bei allen Arbeiten. Woher die Narbe in seinem Gesicht stammt, konnte er sich nicht mehr erinnern. Als er seinen Onkel mal danach fragte meinte der nur, dass er schon so als kleiner Junge hergekommen sei. Sie war froh ihn etwas besser kennen gelernt zu haben, denn all die Jahre über hatte sie sich ein falsches Bild von ihm gemacht. Er war anders als die anderen Jungen in seinem Alter, viel reifer und anständiger. Es steckte mehr man als Junge in ihm. Shiva musste leicht schmunzeln bei dem Gedanken.
Was würde er über sie denken? Sie selbst merkte die Veränderungen an sich. Die letzten Tage hatten besondere Eindrücke in ihr hinterlassen. Sie hatte Erfahrungen gesammelt in vielen bereichen. Sie konnte nun Fährten lesen, die Uhrzeit am Stand der Sonne erkennen und die Himmelsrichtungen bestimmen. Auch kannte sie viele neue Pflanzen und ihre Eigenschaften, ob sie Giftig waren oder geeignet zum heilen von kleinen Wunden. Sie war nun nicht mehr das kleine Mädchen von vor 6 Tagen, sondern eine heranwachsende junge Frau. Was würde ihre Mutter wohl zu ihrer Veränderung sagen? Sie ist bestimmt überrascht und zu gleich stolz auf ihre Tochter. Ob die anderen Jungs sie nun respektieren würden? Als sie als kleines Mädchen immer mit ihrer Mutter mitging zu den Händlern, sah sie die anderen Mädchen lästerten. Sie machten es offensichtlich, in dem sie mit den Fingern auf sie zeigten. Ihre Mutter sagte dann, das sie eifersüchtig sein und es deshalb täten. Shiva fragte sich immer worauf sie eifersüchtig sind, sie hatte weder wertvolle Gegenstände noch sah sie besondern hübsch aus. Auch heute noch hat sie keine Erklärung dafür, doch eins hatte sie gelernt, denn Kinder hänseln immer die die anders sind. Mit den Jahren fing es sie an auch nicht mehr zu stören. Sie lebte ihr leben und die anderen ihres. Außerdem hatte sie nun endlich einen Freund gefunden. Jemand der genauso über die anderen dachte wie sie. Das war viel mehr Wert, als mit dem gesamten Dorf befreundet zu sein.
Als die Sonne schon fast hinter dem Horizont verschwunden war, tauchte das Dorf, in einiger Entfernung, hinter einem Hügel auf. Sie hatten es tatsächlich noch vor der Dunkelheit geschafft.
Als die beiden sich dran machten den Hügel hinab zu steigen, kamen ihnen die beiden Brüder Frederic und Golderic entgegen. Sie schienen wohl gerade mit der Arbeit auf dem Feld fertig geworden zu sein und waren auf dem Weg zurück ins Dorf. Frederic und Golderic waren Zwillinge. Sie sahen fast identisch aus, Frederic war nur ein kleines Stück größer als sein Bruder.
Er behauptete immer, dass es daran liegen würde, weil er als erster das Licht der Welt erblickte. Beiden hatten eine ziemlich helle Haut und überall braune Flecken, die andere eigentlich im Gesicht hatten. Beide rannten Shiva und Arat, mit einem dicken Grinsen um den Mund, entgegen.
„Da seit ihr ja wieder“ ,
grölte Frederic.
„Und habt ihr was gefangen oder hat sich die Gans zu trottelig angestellt?“.
fragte Golderic gehässig. Shiva funkelte die beiden zornig an. Sie war so wütend über die Bemerkung, dass sie ihre Fäuste ballte ohne es mit zu bekommen. Bevor sie etwas gemeines erwidern konnte sagte Arat gelassen,
„Shiva hat, ohne das ich etwas anderes erwartet habe, eine Ausgewachsene Hirschkuh erlegt.“
Die Zwillinge fingen an zu lachen, woraufhin Frederic amüsiert erwiderte,
„Hast du das Tier vorher KO geschlagen?"
Und wieder fingen beide an lauthals zu lachen. Shiva wollte gerade ihren Rucksack abschultern, als Arat seine Hand auf ihre Schulter legte und mit ruhiger Stimme sagte,
„Komm, deine Mutter freut sich bestimmt dich wieder zu sehen. Lass die beiden doch reden. Sie haben eh von nichts eine Ahnung.“
Shiva und Arat ließen die beiden Zwillinge lachend auf dem Hügel zurück und gingen weiter zum Dorf hinab. Als die dort ankamen war die Sonne schon untergegangen und das letzte Licht verschwunden. Sie mussten eine kleine Brücke überqueren um ins Dorf zu gelangen.
Ihre Ur-Ur-Ur-Großeltern waren mit an der Dorfgründung beteiligt. Sie fanden es eine gute Idee sich direkt an einem kleinen Bach nieder zulassen, denn selbst in den heißesten Sommertagen trocknete er nicht aus und spendete genügend Wasser. Die Häuser waren so angeordnet, dass sie einen Kreis um den Marktplatz bildeten.
In der Mitte stand ein wunderschöner Springbrunnen. Er war das Wertvollste in dem Dorf und zu gleich ihr Wahrzeichen. Eine Meerjungfrau, gemeißelt aus Marmor, saß auf einem Stein und blickte dem Himmel entgegen. Aus ihrem Mund sprudelte das Wasser in einem kleinen Bogen ins Becken hinunter, welche um der Statur herum stand. Den Beckenrand zierten kleine Fische in jeglicher Form und Größe, aus deren Mündern auch ein kleiner Wasserstrahl ins Becken floss.
Von hier aus mussten die beiden nach rechts in eine kleine Gasse einbiegen. Ganz am Ende, am Rand des Dorfes, stand das Haus in dem Shiva mit ihrer Familie lebte. Ihre Mutter hatte es von ihrem Vater geerbt. Ihr Großvater hatte all seine Ersparnisse in den Bau des Hauses gesteckt, deshalb unterschied es sich von den anderen Häusern. Es war ein Stück größer und war aus roten Backsteinen gebaut. Das Dach bestand zum überwiegenden Teil aus Stroh aber an einigen Stellen lagen dünne Ziegelplatten.
Als die beiden vor der Haustür standen, dreht sich Shiva zu Arat um und sagte,
„Am besten kommst du mit rein, dann können wir das Fleisch aufteilen.“
„Du hast das Tier erlegt, es gehört dir und deiner Familie.“
„Aber ich bin mit dir zusammen Jagen gegangen. Du hättest den Hirsch genauso gut Abschießen können, also hast du ebenfalls Anspruch auf das Fleisch.“

Arat lächelte und sagte stur,
„Ich will es aber nicht. Mein Onkel und ich haben genügend Vorräte. Ich will damit nicht sagen, dass ihr es nötiger habt, ich will das Fleisch halt nicht. Verkauft meinen Anteil oder behaltet ihn.“
„Na gut, wenn du dich nicht umstimmen lässt. Ich will es dir ja nicht auf zwingen.“

Shiva nahm den Rücksack vom Rücken und ging ein Paar Schritte zur Tür und stellte ihn dort ab, dann drehte sie sich um und lief wieder zurück zu Arat. Etwas verlegen sagte sie,
„Ich wollte dir noch danken, dafür das du mich mitgenommen hast und genügend Geduld mit mir hattest. Ich weiß dass es am Anfang ganz schön anstrengend war. Dafür wollte ich mich auch noch endschuldigen.“
Arat spürte wie im wärmer im Gesicht wurde und hoffte, dass er nicht rot anlief. Etwas stotternd sagte dann,
„Ach quatsch. Ich hab es gerne getan und deine Gesellschaft genossen. Ich glaube, wir haben uns dadurch etwas besser kennen gelernt.“
„Das denke ich auch.“
„Und was das Kämpfen mit dem Schwert angeht, komm einfach vorbei wenn du Zeit und Lust hast.“
„Danke, das werde ich.“

Shiva gab Arat schnell einen kleinen Kuss auf die Wange, bedankte sich noch mal, öffnete die Haustür, schnappte sich ihren Rücksack und verschwand im Haus.
Arat blieb noch kurz stehen und hielt sich die Hand auf die Wange, wo er den Kuss bekommen hatte. Jetzt war er sich sicher, dass er rot im Gesicht war. Er drehte sich schnell in alle Richtung, um zu schauen ob sie jemand gesehen hatte und lief so schnell er konnte Richtung nach Hause.


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3. Kapitel
Elichtes


Wenn der Herbst in den Winter übergeht, feiern die Dorfbewohner ein kleines Fest um sich für den Ertrag der Ernte zu bedanken. Heute war dieser Tag und das ganze Dorf war in heller Aufregung. Jeder schmückte den Dorfplatz mit bunten Girlanden, Blumenkränzen und Laternen. In der Mitte des Platzes, neben dem Brunnen, bauten einige Männer ein Podest auf. Darauf sollten kleine Theaterstücke für die Kinder aufgeführt werden und abends, kurz vor Mitternacht, würde der alte Geschichtenerzähler Torgin das Podest beträten und eine kleine Geschichte erzählen. Einige spendeten Essen oder etwas zu Trinken. Jeder der was übrig hatte brachte es auf den Marktplatz. Dieses Jahr war es etwas weniger im vergleich zum letzteren, doch trotzdem würde es reichen. Shiva half gerade ihrem Bruder dabei ein Paar Holzbänke auf den Platz zu tragen, als Arat voll gepackt mit Brot und Kuchen dazustos. Es waren, seit ihrer Rückkehr von der Jagt, fast 2 Wochen vergangen und Shiva hatte ihm immer nur ein Lächeln geschenkt, wenn sie sich zufällig über den Weg liefen. Arat zerbrach sich jedes Mal denn Kopf darüber, wieso sie nicht mit ihm sprach. Er wurde einfach nicht schlau aus diesem Verhalten. Heute hatte er sich fest vorgenommen mit ihr zu sprechen. Wenn das Fest beginnen würde und die kleinen Kinder sich das Theaterstück anschauen, dann würde er zu ihr gehen und sich mit ihr unterhalten. Er hatte zwar noch keine Ahnung wie er das Gespräch anzetteln sollte aber wusste, dass ihm noch etwas einfallen würde.
Allmählich nahm der Marktplatz seine gewünschte Form an. Alle Vorbereitungen waren abgeschlossen und die Leute versammelten sich. Nach dem die Sonne verschwunden war und der Mond am Himmel leuchtete, wurden die Laternen entfacht und verteilten ihr buntes Licht überall. Jeder hatte sich etwas zu Essen und zu Trinken geholt und saß gespannt auf seinem Platz. Die Kinder, in den ersten Reihen, wurden langsam unruhig und zappelten herum. Plötzlich erklang ein leises Rascheln was immer lauter wurde, dann ein lauter Donner und stille. Im roten Licht einer Laterne getränkt, tauchte eine Gestalt auf und sprang auf das Podest. Die Kinder fingen an zu kreischen und danach zu lachen. Das Theaterstück hatte begonnen.
Jetzt war der Augenblick da. Arat suchte, in dem Haufen der Leute, nach Shiva. Einige Minuten vergingen, als er sie am anderen Ende des Platzes gefunden hatte. Sie stand in der letzten Reihe und beobachtete gespannt das Schauspiel. Durch die Menschenmenge würde er es nicht zu ihr schaffen, also entschloss er sich durch die Häusergassen zu gehen. Er musste nur noch um die Ecke biegen, denn dort stand sie. Er blieb stehen, denn seine Beine fingen an weich zu werden und er hatte vergessen womit er sie in ein Gespräch verwickeln wollte.
So etwas ist ihm noch nie passiert. Er war schon früher mit Mädchen befreundet gewesen und konnte sich mit ihnen Unterhalten ohne davor Angst zu haben. Doch bei Shiva war es etwas anderes, er mochte sie und irgendwie hatte er sie die letzten Tage vermisst. Ihm fehlte es von ihr Löcher in den Bauch gefragt zu werden und ihre Unterhaltungen. Dieses Gefühl und die Tatsache, dass er sie vielleicht doch mehr als gern hatte, beunruhigten ihn. Als er sich seiner Sache doch nicht mehr so sicher war, drehte er sich um und wollte gehen. Plötzlich hörte er jemanden seinen Namen rufen und blieb stehen. Als er sich wieder umdrehte sah er Shiva auf sich zukommen. Sie hatte ihre Haare hochgesteckt mit einer kleinen glitzernden Haarspange. Sie sah sehr hübsch damit aus. Als sie vor ihm zum stehen kam sagte sie lächelnd,
„Gefällt dir das Stück nicht oder wieso läufst du hier durch die Gassen?“
Arat wusste nicht was er darauf antworten sollte, als er gerade etwas sagen wollte hörte er hinter sich ein Mädchen lachen. Sie stand angelehnt an einer Hauswand und fuhr sich mit der Hand durch ihr Strohblondes Haar. Sie hieß Meverin, hatte knall rote Lippen und ein paar Sommersprossen auf der Nase. Mit ihren großen, runden, blauen Augen blickte sie zu Arat und Shiva hinüber, dann kam sie zu ihnen. Neben Arat blieb sie stehen und legte einen Arm um ihn und sagte,
„Ich hoffe doch ich hab euch beide nicht gestört?“
Es klang nicht ernst gemeint.
„Findet ihr das Stück auch so langweilig wie ich?“
Keiner von beiden erwiderte etwas. Durch die Gassen drang plötzlich ein lautes Stimmengewirr. Das Theaterstück musste zu Ende gewesen sein, denn man hörte vereinzelte Diskussion von den Dorfbewohnern und eine kleine Gruppe von Halbwüchsigen rannte kreischend an den dreien vorbei. Es dauerte nun nicht mehr lange, bis der alte Geschichtenerzähler aufs Podest kletterte würde und anfing eine seiner Geschichte vorzutragen.
Frederic kam um die Ecke gelaufen, sah die drei und kam mit großen schnellen Schritten auf sie zu. Er sah sehr verärgert aus und funkelte Meverin an. Zornig sagte er,
„Ich renne hier durch die Gassen um dich zu suchen und du stehst hier und hältst ein Schwätzchen! Meinst du nicht, es wäre höfflich gewesen mal einen Ton zu sagen, als einfach so zu verschwinden?“
„Ich hatte halt keine Lust mehr dort rum zu stehen, da bin ich gegangen.“

Frederic packte Meverin am Arm und zerrte sie beiseite, damit Shiva und Arat das weitere Gespräch nicht mehr mit verfolgen konnten. Arat beobachtete die beiden sehr gespannt, als er unerwartet an der Hand gepackt wurde. Shiva lächelte ihn an und sagte, „Komm, Torgin erzählt jetzt seine Geschichte.“
Sie lief in Richtung Marktplatz und zog Arat mit sich. Sie stellten sich etwas abseits hin. Der alte man saß auf einem Stuhl. Er hatte graue Haare und einen langen Bart. Sein Gesicht war blass und pfahl, doch seine Augen glänzten im Licht der Laternen. Er räusperte sich einmal laut, worauf es blitz schnell leise wurde. Jeder stellte seine Gespräche ein und blickte gespannt auf Torgin. Der alte Mann erhob seine Stimme und sagte leise,
„Ich werde euch von einem Ort erzählen, der jenseits dieser Berge und Wälder liegt. Einem Ort, der wunderschön und so alt wie die Zeit ist. Über all herrscht Magie, es steckt in den Bäumen und Blumen, in den großen und kleinen Tieren, in jeder einzelnen Zelle. Und genau dies macht den Ort so geheimnisvoll und zu gleich unerreichbar.
Es ist noch niemandem gelungen die Wälder zu passieren und wenn doch, dann ist er nie zurückgekehrt.
Als ich noch ein junger Spross war, da reiste ich umher um die Welt zu sehen. Mein Weg führte mich von Kyma´had, dem Königreich von Suria und meiner Heimat, durch den Azid-Pass bis zur Küste und der Hauptstadt Aules. Dort erfuhr ich dann von der Gebirgskette die wir Gil-Galad nennen und das dort hinter ein geheimnisvolles Land voller Schätze und Reichtümer liegen sollte.
Meine Neugierde trieb mich dann weiter nach Nord-Ost, wo das Gebirge angeblich leichter zu durchqueren sei. Zu meinem Ärger jedoch, fand ich eine solche Stelle nicht. Ich wanderte das Gebirge bis zum Süden hinunter, doch nirgends fand ich einen Weg, ihn zu durchqueren. Schließlich gab ich auf und reiste durch die Wüste Burbona und pendelte von Dorf zu Stadt und von Stadt zu Dorf, bis ich schließlich hier landete und meine wunderbare Frau Magda kennen lernte.
Doch wenn man so dich an diesem Gebirge wohnt, dann wird man irgendwann doch noch einmal von der Neugier übermannt.“

Torgin atmete einmal tief ein und steckte dann seine Pfeife in den Mund und zog zweimal kräftig dran.
„Vor genau 10 Jahren machte ich mich ein letztes Mal auf den Weg zum Wald. Nach ungefähr 5 Tagen kam mir eine Gruppe von Männern entgegen. Sie waren zu dritt unterwegs und saßen auf einer kleinen Lichtung. Am Rand grasten drei weiße Pferde, es waren die edelsten und schönsten Tiere die ich je gesehen hatte. Die drei rasteten an einem Lagerfeuer, einer von ihnen saß mit dem Rücken zu mir und spielte auf einer Querflöte zauberhafte Melodien. Der größte entdeckte mich hinter einem Busch versteckt, stand auf und winkte mich zu ihnen.
Ich war erschrocken und zu gleich aufgeregt, denn ich wusste ja nicht was das für Kerle waren. Sie sahen weder wie Jäger aus und noch wie Diebe. Trotzdem ging ich langsam zu ihnen, die Hand griff bereit an meinem Schwert. Die Unbekannten kamen mir ein kleines Stück entgegen. Als ich ihre Gesichter erkennen konnte, wurde mir etwas mulmig zu mute. Solch eine makellose Schönheit habe ich bis heute noch niemals wieder zu Gesicht bekommen. Der größte von allen, war eine Frau, die anderen beiden Männer. Sie hatten sanfte und zarte Lippen, ihre Augen waren von einer solchen Symmetrie, das es schon wieder unnatürlich wirkte aber dennoch passend zu ihrer Gesichtsform. Sie waren schmal und breit aber trotzdem wirkten sie sehr groß und rund, was eigentlich ein Widerspruch in sich war. Alle drei hatten lange weißblonde Haare und spitze Ohren. Ihre Körper waren schlang und leicht gebaut. Sie bewegten sich graziös und so leicht wie eine Feder. Als würden sie schweben und gar nicht laufen kamen sie zu mir. Die Frau streckte mir ihre Hand zur Begrüßung entgegen, blickte zu einem ihrer Gefährten und sagte dass sie recht gehabt habe und dass ich kein Feind sei. Anschließend setzten wir uns an Lagerfeuer und unterhielten uns. Bastet war der Name des kleinsten Mannes, sein Gefährte hieß Badtz-Maru und die Frau Deery.
Sie wollten alles über mich und meinem Volk wissen. Sie stellten mir sehr viel komische und witzige fragen, wie zum Beispiel was es mit den Vogelscheuchen auf unseren Feldern auf sich hat, wo bei sie nicht wussten das es keine echten Menschen waren.“

Torgin machte eine kleine Pause und schmunzelte leicht. Er ging gerade in seinem Gedächnis noch eine Reihe weiterer absurder Fragen durch. Als er sich langsam wieder fing, räusperte er sich und erzählte weiter.
„Als ich irgendwann ihren Wissensdurst besänftigt hatte, jedenfalls so gut wie ich es konnte, begannen die drei mir etwas über sich zu erzählen und wo sie herkamen.
Hätte mir damals jemand gesagt was wirklich hinter dieser Gebirgskette liegt, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt. Doch als ich diese drei Geschöpfe getroffen hatte und sie mir von ihrem Leben erzählten, da wurde mir eins klar, die Welt ist viel größer als wir glauben. Von der Küste bis zu Gil-Galad, der Würste Burbona über die Berge des Araknata bis nach Suria, das alles ist nur ein winziger Teil vom ganzen. Ihr könnt euch das nicht vorstellen genauso wie ich, aber es ist so. Und genauso wie wir uns das nicht vorstellen können, können wir uns auch nicht vorstellen wie ein Leben voller Magie ist. Elben sind nicht wie wir, man kann sie auch nicht mit uns vergleichen. Es sind so reine Geschöpfe, dass wir sie mit dem Titel „Mensch“ beschmutzen würde. Sie leben im Einklang mit ihrer Umwelt. Pflanzen, Tiere, so wie die 4 Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft, sie sind mit ihnen verbunden. Sie spüren ihren Geist, denn alles dort besteht aus Magie, ist vielleicht auch aus Magie entstanden oder die Magie ist aus ihnen.“

Torgin beendete seine Erzählung für eine kleine Weile, denn er wollte dass seine Worte auch ihre Wirkung verbreiten können. Vereinzelt diskutierten die Dorfbewohnen über das Wort Magie. Jeder hatte seine eigene Definition dafür und wollte sie kundtun.
Ebenso Shiva und Arat. Die beiden schienen unterschiedliche Meinungen über das Thema zu haben. „Ach komm schon, du glaubst doch nicht ernsthaft daran, das es Leute gibt die aus Wasser Wein machen können“, sagte Arat spöttisch zu Shiva.
Sie drehte die Augen und setzte dann ein leichtes Grinsen auf und sagte,
„Vielleicht, aber das war es nicht was ich meinte. Es gibt so viele Dinge die wir nicht erklären können und vielleicht ist das Magie. Menschen die sterbenskrank sind und plötzlich wieder kerngesund sind, wie erklärst du dir so etwas unglaubliches?“
„Jedenfalls nicht mit Magie! Das ganze besteht doch nur aus Aberglauben. Leute die bei Vollmond bestimmte Pflanzen essen um fruchtbar zu werden und dann denken es sei die Magie des Mondes der sie Kinder bekommen lässt.“
„Vielleicht hat der Mond ja übernatürliche Kräfte, wie Torgin schon sagte, die Magie steckt überall.“

Arat verschränkte die Arme und sog seine Stirn in falten. Er glaubte nicht den Unsinn und egal was Shiva sagen würde, es könnte ihn nicht umstimmen.
Torgin hustete einmal kräftig und alle Gespräche stoppten abrupt. Jeder Dorfbewohner blickte gespannt auf den alten Mann. Er selbst war überrascht, denn eigentlich hatte er nicht vor die Unterhaltungen zu unterbrechen, jedenfalls nicht sofort. Er grinste leicht und überlegte kurz, wie er seine Geschichte am besten fortführen konnte.
„Elichtes, so heißt das Land aus dem die drei kamen, der unbekannte Ort hinter dem Gebirge. Ein riesiger See namens Cifron versorgt durch seine beiden Flüsse, Kiref im Norden und Indref im Süden, das Land mit Wasser.
Im Süden liegt am Ende des Flusses die Hauptstadt Kostamerna, die Heimat der Elben. Die Häuser sind einfach aber trotzdem edel. Im Zentrum der Stadt befindet sich ein immer grüner Garten in dessen Mitte sich auf einer kleinen Anhöhe der Fuchs-Schrein befindet. Am südöstlichsten Teil der Stadt ragt ein prachtvolles Schloss hervor. Es glänzt in der Mittagssonne silbern und in der Abendsonne golden. Die Spitzen der Türme reichen bis zu den Wolken hinauf und seine Tore sind so groß, das selbst die gigantischsten Wesen hindurchpassen würden. Hinter diesem schönen Anblick überragt ein Berg noch bei weiten dieses Schloss. Es ist der Berg Izlandia mit den beiden kleineren Bergen Planca und Pliava. Planca war einmal die Niststätte der Drachen gewesen, doch seit einigen Jahrhunderten bekommen sie keinen Nachwuchs mehr. Keiner weiß wieso, denn es ist ein gut gehütetes Geheimnis.
Regiert wird das Land von einer alten und weisen Königin. Ihr Name ist Masila und sie hat weit mehr als 10.000 Sonnenaufgänge erlebt.
Elben leben weit länger als wir Menschen, man sagt auch sie wären unsterblich, aber das stimmt nicht. Jedes Leben ist vergänglich, nur die Zeit bestimmt wann es so weit ist. Selbst die Magie kann das nur heraus zögern, doch auch sie fordert dafür ihren Tribut. Und wenn die Elbenkönigin eines Tages ihren letzten Sonnenaufgang erblicken wird, dann beginnt eine neue Ära und ihre Tochter Alexiel wird ihren Platz im Kreislauf einnehmen.“

Der alte Mann zupfte an seinem Bart, lies sich einen Krug Met geben und nahm einen großen Schluck. Anschließend stellte er ihn zu seinen Füßen auf das Podest und blickte in die Menge. Gestärkt und mit neuer Begeisterung fuhr er fort.
„Im Norde, am Ende des Flusses Kiref, befindet sich die Stadt Zhada. Hier lebt und herrscht der gefährlichste und unbarmherzigste König und Magier, Razul. Die Elben wollten mir nicht viel über dieses Volk erzählen. Sie meinten, es würde die Herrlichkeit des Landes zerstören, wenn man mehr über sie erfahren würde. Alles was ich ihnen noch entlocken konnte war, dass sie mit dunkler Magie hantieren und dies eines Tages auch zu ihrem Untergang führen wird.
Die Elben…“

Torgin unterbrach seine Erzählung abrupt, denn er sah hinter der Menschenmenge einen jungen Mann aus einer Gasse stürmen. Als er den Platz erreicht hatte blieb er stehen und sankt keuchend zu Boden. Er hatte eine Wunde am Kopf, die stark blutete und sein Hemd an der Schulter fast vollständig rot färbte.
Einige Männer und Frauen, die gleich in der Nähe saßen, halfen dem Jungen auf die Beine und gaben ihm einen Schluck Wasser zum trinken. Er kam von einem benachbarten Bauernhof der gleich hinter einem kleinen Hügel lag.
Ruby, die Frau des Metzgers, holte ein Tuch aus ihrer Tasche und band es dem Jungen um den Kopf, damit die Wunde nicht mehr so stark bluten konnte. Anschließend hockte sie sich vor ihn und fragte mit sanfter Stimme,
„Junge, was ist passiert?“
Mit ängstlicher und zitternder Stimme antwortete er,
„Soldaten…sie sind einfach gekommen.“
Tränen füllten seine kleinen Augen.
„Mein Vater schickte mich los um euch zu warnen. Sie werden auch hier her kommen.“
Ruby blickte die umstehenden Dorfbewohner an, nahm den Jungen an die Hand und stand auf.
Torgin war es endlich gelungen die kleine Gruppe zu erreichen. Als er näher kam und den Jungen sah sagte er leise, „Wir müssen uns sofort ausrüsten und zum Rand des Dorfes gehen bevor sie hier sind, sonst werden sie auch unsere Häuser plündern.“
Tookbar hatte von allen die lauteste Stimme und rief den Dorfbewohner die schreckliche Nachricht zu und befahl ihnen sich alles zu schnappen was sie gerade fanden um sich damit zu bewaffnen.
Wären die Dorfbewohner nicht an solche Situationen gewöhnt gewesen, wäre die totale Panik ausgebrochen, doch stattdessen nahm sich jeder eine Waffe, egal ob es Harke oder Schaufel war und machte sich auf den Weg zum Dorfrand.
Nach einigen Minuten hörte man die ersten Kampfschreie und ein Haus stand in Flammen.
Als das Getümmel auf dem Marktplatz ausbrach trennten sich Shiva und Arat. Er machte sich auf den Weg zu seinem Onkel der zu Hause geblieben war und Shiva suchte ihren kleinen Bruder und ihre Mutter. Die beiden standen am Brunnen und schienen sie zu suchen, als sie sie erblickten entwich ein kleines Stück Sorge vom Blick ihrer Mutter. „Shiva du und dein Bruder, ihr musst euch beeilen. Ich weiß nicht wie viele Soldaten es sind und weshalb sie gekommen sind aber es werden sicherlich keine guten Absichten sein. Ihr müsst in den Wald gehen und euch dort verstecken bis sie weg sind.“
Shiva verstand nicht ganz wieso ihre Mutter nicht mit ihnen ging, denn schließlich war sie ebenfalls noch sehr jung und wenn die Soldaten darauf aus waren sich neue Sklaven zu verschaffen, dann wäre sie genauso ihn Gefahr gewesen.
„Wir gehen nicht alleine, du musst mitkommen Mama. Du bist hier genauso in Gefahr wie wir.“
Shivas Mutter schüttelte den Kopf.
„Wer soll dann auf unser Haus aufpassen wenn ich gehe? Ich muss hier bleiben, mir wird schon nichts passieren. Doch ihr müsst jetzt los. Dort hinten sind Meverin, Frederic und Golderic.“
Shivas Mutter gab ihr die Hand des kleinen Jungen, streichelte einmal sanft über ihren Kopf und rannte in Richtung ihres Hauses. Shiva blickte sich um, es war so gut wie keiner mehr auf dem Platz. Die gesamten Dorfbewohner kämpften am Rand des Dorfes und schienen erfolg zu haben, denn das brennende Haus brannte nicht mehr und die Flammen waren auch auf kein anderes Haus übergegangen. Man hörte nur leicht in der Ferne Metall klirren und dumpfe Aufpralle. Einige male hörte man auch Menschen vor Schmerzen schreien, doch es war nicht zwischen Dorfbewohner oder Soldat zu unterscheiden.
Am Rand des Platzes standen Meverin, Frederic und Golderic. Sie winkten Shiva zu sich herüber. Schnell rannte sie mit ihrem kleinen Bruder an der Hand zu den dreien. Schweigend schauten sie sich an und flüchteten durch die Gassen in Richtung Wald.
Sie benutzten die Hauptwege, die mit einigen wenigen Laternen gesäumt waren. In den kleineren Seitenwegen konnte man nur knapp zwei Meter weit sehen, denn die Dunkelheit verschluckte alles.
Als sie die Hälfte geschafft hatten, kamen sie an dem Haus vorbei ihn dem Arat mit seinem Onkel wohnte. Shiva bliebt stehen und lies ihren Bruder los. Frederic wäre beinahe in sie hin ein gerannt, konnte aber vorher noch abbremsen. Vor Wut keifte er sich an, doch Shiva bekam von alle dem nichts mit.
Es brannte Licht und sie Haustür stand offen. Scherben lagen auf dem Boden zerstreut. Langsam ging Shiva zum Haus hinüber. Jetzt wünschte sie sich ihr Flammar bei sich zu haben, denn wenn wirklich Soldaten hier waren, dann hätte sie nichts gehabt um sich zu verteidigen außer ihren Fäusten. Kurz vor der Eingangstür blieb sie stehen, so das keiner sie von drinnen sehen konnte. Mit dem Blick zu den Anderen gerichtet legte sie ihren Zeigefinger auf ihre Lippen und lauschte. Es war still im Haus, kein Geräusch.
Plötzlich waren schnelle und laute Schritte zu hören, die immer näher kamen. Schnell sprang Shiva neben der Tür an die Wand. Arat stürmte aus dem Haus, als er Meverin, Shivas kleinen Bruder und die Zwillinge, im leichten Licht einer Laterne, sah blieb er stehen und drehte sich um. Er hatte sich sein Breitschwert umgegurtet, seinen Bogen in der Hand, den Köcher mit den Pfeilen auf dem Rücken und einen voll bepackten Rucksack um.
Shiva hatte eine Vorahnung was geschehen war, fragte aber lieber nach.
„Wo willst du hin?“
Sein Gesichtsausdruck wirkte zornig und er war angespannt. Mit ernstem Ton antwortete er, „Die Soldaten sind nicht nur ihr um zu plündern, Frauen und Mädchen zu verschleppen, nein, sie sollten auch meinen Onkel holen.“
„Aber was wollen sie von ihm? Was hat er getan?“

Shiva trat einen Schritt näher auf Arat zu. Sie sah ihm in seine blauen Augen, sie funkelten vor Wut und einen kleinen Augenblick hatte sie Angst. Nicht vor ihm, sondern vor dem was er vorhatte.
„Er hat nichts getan. Unser ach so geliebter König hatte ihn schon öfters gebeten in sein Schloss zu kommen und dort für ihn zu arbeiten. Mein Onkel wollte nicht und lehnte ab. Das scheint ihm nicht zu gefallen. Er musste es gewusst haben das sie kommen, zu mindest das sie ihn heute holen und nicht das sie bei uns einfallen, denn er hat mir einen Brief hinterlassen.“
Shiva fühlte mit ihm. Jeder wusste, auch sie, das der König sich das nahm was er wollte und man sich seinem Willen beugen musste. Es war nicht gerecht, wie kann sich ein Mensch erlauben einen anderen von seiner Familie zu reißen nur weil er ihn für sich selber haben wollte, dachte Shiva.
„Was hat er geschrieben?“
„Das die Zeit gekommen ist, wo er mich verlassen muss. Das ich jetzt auf meinen eignen Füßen stehen muss. Das ich ihm nicht nach trauern soll und das ich nicht zurück holen soll. Es hätte eh keinen Sinn und er müsste dann fürchten dass mir etwas zu stoße. Und zu guter letzt, dass ich seine Arbeit hier fortführen soll.“

Er klang vorwurfsvoll.
„Er kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich hier bleibe und nichts tue. Ich werde ihn zurückholen, egal wie viele Soldaten ich dafür töten muss.“
Bei diesen Worten schreckte Shiva zurück. Sie hätte niemals gedacht, dass er so etwas sagen geschweige den tun würde oder könnte.
Gerade als sie etwas darauf erwidern wollte schrie Meverin,
„Da kommen Soldaten!“
Arat und Shiva liefen zu den Anderen und blickte zur Gasse. Dank den Laternen waren 10 Männer in einiger Entfernung zu erkennen. Sie waren bewaffnet und rannten der kleinen Gruppe entgegen. Der vorderste Soldat verlangsamte seine Schritte bis er nur noch lief und rief,
„Lasst die Mädchen und das Kind am leben. Wenn die Knaben sich wären, dann bringt sie um.“
Arat nahm seinen Bogen und legte einen Pfeil an. Blitzschnell schoss der erste Pfeil los und traf einen mitten ins Gesicht. Der Mann fiel sofort rück links um und blieb liegen. Kaum hatte der erste Pfeil sein Ziel getroffen surrte auch schon der nächste los und traf genauso ins schwarze und sein Opfer sankt tot zu Boden. Während Arat noch 2 weitere Pfeile abschoss, suchte Shiva etwas zur Verteidigung. Frederic war in der zwischen Zeit ins nächste Haus gegangen und suchte nach Waffen. Alles was er finden konnte war ein großes Messer, eine Pfanne und einen Knüppel. Es waren vielleicht nicht die besten Waffen aber besser als gar nichts, dachte Shiva als sie Frederic aus dem Haus kommen sah. Golderic hatte eine Mistgabel gefunden und trat kampfbereit neben Arat. Frederic drückte Meverin die Pfanne in die Hand und gab Shiva das Messer.
Die Soldaten waren schon weit heran gekommen, das Arat seinen Bogen gegen das Schwert tauschte. Shiva befahl Meverin mit ihrem kleinen Bruder los zu laufen und sich zu verstecken. Dem blonden Mädchen stand die Angst im Gesicht geschrieben und sie war dankbar nicht kämpfen zu müssen, jedenfalls nicht sofort. Sie packte den kleinen Jungen an der Hand und lief so schnell sie konnte die Gasse hinunter und bog nach links ab und verschwanden in der Dunkelheit.
Die Vier standen kampfbereit da und warteten auf ihre Gegner. Plötzlich kam ein Mann um die Ecke. Er bewegte sich im Schatten, man konnte nur sein seltsam grün schimmerndes Schwert erkennen. Er griff den sich am nächsten befindenden Soldaten an. Der Mann hatte keine Chance. Ehe er überhaupt die Gefahr erkennen konnte, steckte schon das Schwert in seiner Brust. Arat stürmte los, noch bevor die anderen Soldaten den alten Mann bemerkten. Shiva und die Zwillinge folgten ihm. Arat wollte sich gerade in das Gefecht mit einem der Soldaten werfen, doch der Unbekannte trat ins Licht. Es war Torgin, der Geschichtenerzähler. Er rammte dem Soldaten von hinten sein Schwert in den Rücken. Aus dem Mund des Opfers rann Blut und man konnte deutlich erkennen wie das Leben seinen Körper verließ.
Angewidert und zutiefst schockiert bliebt Shiva stehen. Sie hatte bis jetzt noch nie einen Menschen so hautnah sterben sehen. Sein Gesicht war vor Schmerzen verzerrt, als Torgin sein Schwert aus dem leblosen Körper zog und er zu Boden sackte. Sie hatte alles um sich herum völlig vergessen und bemerkte nicht wie ein Soldat auf die zukam. Erst als sie einen harten Griff um sich spürte kam sie wieder zu sich. Einige Sekunden blickte sie sich um, dann begriff sie was los war. Man hatte ihr das Messer entrissen und einer der Soldaten hielt sie fest. Sie strampelte wild herum und bis dem Mann mit aller Kraft in den Arm. Vor Schreck und Schmerzen stieß er sie von sich. Shiva verlor ihren halt und stolperte zu Boden. Bevor sie überhaupt reagieren konnte stürzte der Soldat auf sie. Als sie sein Gesicht genau vor Augen hatte, schlug ihr Herz wie verrückt. Vor Angst erstarrte konnte sie sich nicht rühren. Ein breites und hämisches Grinsen zeichnete sich in seinem Gesicht.
„Wenn wir erst einmal alleine sind, dann wirst du nicht mehr so widerspenstig sein. Dann wirst du tun was ich…“
Plötzlich lag das gesamte Gewicht des Mannes auf Shiva. Als er zur Seite geschoben wurde, sah sie Arat neben sich hocken. In seinen Augen konnte sie Angst erkennen, Angst um sie.
Bevor Arat etwas sagen konnte sagte sie, „Mir geht es gut, danke.“
Er half ihr hoch und musterte sie von oben bis unten, nur um sich selber davon zu überzeugen.
„Als ich den Kerl sah, so über dich gebeugt, da dachte ich es sei zu spät.“
Torgin kam zu ihnen gelaufen. Er wischte dabei das Blut vom Schwert mir seinem Mantel ab. Dann schaute er die beiden an und sagte,
„Nur gut das ich euch gefunden habe. Aber wir sollten uns nicht in Sicherheit wiegen. Am besten suchen wir die beiden anderen und verstecken uns dann.“


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Atra Esterní ono thelduin, Mor`ranr lífa unin Hjarta onr, un du Evarínja ono varda.
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4. Kapitel
Wächter des Waldes


Der Mond spendete nur wenig Licht. Ein paar Glühwürmchen flogen herum aber auch ihr Licht reichte bei weitem nicht aus um zu erkennen wohin man trat. Trotz alle dem folgten die sechs ihnen. Seit sie die Stadt verlassen hatten und den Wald erreichten sagte keiner mehr ein Wort. Torgin führte die Gruppe an und marschierte tief in den Wald, immer den kleinen leuchtenden Insekten hinterher. Noch geschockt von den Ereignissen in der Stadt stellte keiner in frage, was Torgin vorhatte.
Nach kurzer Zeit hielten sie an. In einiger Entfernung sahen sie kleine Lichter. Mitten im Wald stand eine
Hütte, die bewohnt war. Torgin blieb stehen. Er wartet bis alle neben ihm waren, bis er schließlich sagte,
„Ich wusste doch dass meine kleinen Freunde uns den Weg zeigen. Dort drüben wohnt ein alter, nun ja Bekannter von mir. Er wird uns sicherlich bis zum Morgengraun aufnehmen. Die Soldaten werden es wohl kaum finden, obwohl ich eh bezweifle dass sie hier jemanden suchen werden. Kommt bevor uns noch die Schatten einholen.“
Als Torgin seinen letzten Satz zu ende sprach, blickte Frederic seinen Bruder ungläubig an.
„Verzeihung, haben sie gerade Schatten gesagt?“
Torgin grinste breit und machte sich auf den Weg zur Hütte ohne zu antworten. Frederic schüttelte den Kopf und murmelte etwas vor sich hin was wie „Verrückter alter Mann“ klang.
Als die Gruppe an der Hütte ankam, öffnete sich ruckartig die Tür. Ein alter kleiner Mann sprang hervor, mit einer Mistgabel bewaffnet. Seine Kleidung bestand aus Tierfellen, sein Gesicht war schmutzig und von einem grauen Bart überwuchert. Mit finsterem Blick betrachtete er die Fremden.
„Verschwinde du Narr, sonst spieß ich dich auf! Und deine Bälger kannst du gleich wieder mitnehmen“,
giftete der kleine Mann Torgin an.
Ganz ruhig und gelassen blieb er stehen, hob die Hände und versuchte den Besitzer der Hütte zu beruhigen. Als er fertig war Torgin eine Unmenge von Drohungen an den Kopf zu werfen, senkte er die Mistgabel und blickte ihn fragend an.
„Ich dachte schon du würdest mich nicht wieder erkennen“, sagte Torgin lächelnd und die beiden Männer umarmend sich herzlich.
„Noch ein wenig länger und ich hätte dich wirklich aufgespießt. Kommt doch rein, sonst holt hier euch hier draußen noch den Tot, ihr Stadtratten.“
In der Hütte war es warm und gemütlich. Im Kamin brannte ein kleines Feuer und überall standen Kerzen, alles zusammen spendete genügend Licht. Rechts von der Eingangstür war ein kleiner Schlafbereich eingerichtet und auf der gegenüber liegenden Seite stand ein großes Sofa und ein Sessel. In der Mitte des Raums war ein Esstisch auf dem zwei tote Hasen lagen. Als Meverin die Tiere entdeckte stieß sie einen kleinen Schrei aus und drehte sich angeekelt um. Der kleine Mann grinste und packte die Hasen an den Hinterbeinen und legte sie an den Kamin. Anschließend drehte er sich wieder der Gruppe zu und sagte, „Ich habe zwar nicht viel was euch anbieten kann aber ein Tee wird da schon drin sein.“
Torgin setzte sich an den Esstisch und dankte dem Mann, wobei er ihn Ogrin nannte.
Arat und Shiva setzten sich ebenfalls an den Tisch und ihr kleiner Bruder so wie die Zwillinge und Meverin setzten sich auf das Sofa und den Sessel.
Als der Tee fertig war gab Ogrin jedem eine Tasse und setzte sich zu den anderen an den Tisch. Als er einen großen Schluck nahm hustete er ein paar mal und sagte anschließend,
„So und nun erzählt mal, was euch mitten in der Nacht zu mir führt. Ich glaube nicht die Langeweile.“
Torgins Gesicht sah plötzlich alt und grau aus und sein Blick war nachdenklich.
„Die Soldaten des Königs haben unser Dorf angegriffen.“
„Aber ist den nicht heute das Fest zum Dank der Ernte? Wieso sollten die Soldaten gerade an diesem Heiligen Tag euer Dorf überfallen.“

„Das kann ich dir nicht erklären. Ich bin da auch total Überfragt. Es gibt auch keinen aus dem Dorf der sich gegen den König gestellt hat. Jeder hat artig seine Steuern gezahlt und seine Monatlichen Geschenke abgegeben. Mir ist das Völlig unklar.“
Shiva blickte zu Arat. Er schaute starr auf seine Hände, die so stark zu Fäusten geballt waren dass seine Knöchel weiß hervor traten. Dann löste er die Anspannung und unterbrach das Gespräch der beiden Männer.
„Sie sind wegen meinem Onkel gekommen.“
Torgin sah ihn ungläubig an und fragte,
„Wieso sollten sie wegen Frivern gekommen sein? Hätte er Probleme mit dem König gehabt, dann hätte er es mir erzählt.“
Arat nahm seine Tasche von Boden und kramte darin herum. Als er fand was er suchte, zog er ein Stück Papier heraus und gab es Torgin.
„Den hab ich zu Hause gefunden. Er hat gewusst das sie kommen.“
Als Torgin den Brief zu ende gelesen hatte blickte er auf und sah Arat ins Gesicht.
„Der alte Dummkopf. Hätte er mir doch nur etwas davon erzählt. Vielleicht hätte ich ihm helfen können.“
Frederic sprang auf und rannte zu Arat. Sein Gesicht war rot vor Zorn. Er packte Arat an den Schultern und schüttelte ihn.
„Wegen deinem dummen Onkel sind die Soldaten gekommen? Wegen deiner Missgeburten Familie werden vielleicht meine Eltern sterben oder versklavt. Ich bring dich um!“
Frederic legte seine Hände um Arats Hals und versuchte ihn zu erwürgen. Beide rangelten mit einander und kippten auf den Boden. Shiva krallte sich an einen Arm von Frederic und versuchte ihn weg zu ziehen, doch Golderic packte sie und warf sie zu Boden. Torgin und Ogrin gingen dazwischen und lösten die beiden von einander. Torgin hielt jeweils Frederic und Golderic am Arm fest und Ogrin Arat. Die drei Jungs funkelten sich zornig an. Arats Lippe war aufgeplatzt und blutete ebenso wie Frederics Nase. Als Meverin das sah, sprang sie auf und tupfte das Blut von Frederics Nase weg.
Shiva klopfte sich den Staub von der Hose und setzte sich wieder. Sie lies dabei eine spöttische Bemerkung fallen, „Jungs“.
Die beiden Männer schauten sich kurz an und blickten dann zu ihren Schützlingen. Die Jungs schienen sich beruhigt zu haben und konnten los gelassen werden. Sie schienen nicht so dumm zu sein noch einmal auf einander los zu gehen. Golderic setzte sich wieder auf den Sessel, während Frederic weiterhin, auf dem Sofa, liebevoll von Meverin umsorgt wurde. Seinem genervten Gesichtsausdruck war zu entnehmen, dass diese Eigenschaft an Meverin störend war.
Arat stellte seinen Stuhl wieder hin und setzte sich zu den anderen an den Esstisch. Als alle wieder ihre Plätze eingenommen hatten sagte Torgin,
„Ich glaube nicht das Frivern daran schuld ist, dass die Soldaten unser Dorf angegriffen haben. Es muss noch mehr dahinter stecken, noch viel mehr. Der König hätte dafür niemals so viele Soldaten losgeschickt, ein kleiner Trupp hätte genügt, der nachts ins Dorf eindringt und leise deinen Onkel rausschleppt. Aber das hier war ein ganzes Regiment. Hast du sonst noch etwas gefunden?“
Arat schüttelte den Kopf,
„Nein nichts weiter, nur den Brief.“
Torgin faltete die Hände und starte auf seinen Becher mit Tee. Leise murmelte er etwas vor sich hin bevor er sagte,
„Das kann nicht alles gewesen sein. Morgen früh werden wir als erstes zu eurem Haus gehen und noch mal gründlich nachschauen. Irgendwo muss es doch eine Erklärung geben.“
Während alle in ihre eigenen Gedanken versunken waren, erfüllte ein leises Quietschen den stillen Raum. Das Fenster wurde von außen geöffnet, dabei trat eine kleine schwarze Pfote durch den Spalt und kurz darauf ein kleiner Fuchskopf. Es war derselbe Fuchs, der damals im Wald den Proviant vernaschte. Shiva erkannte ihn an seinem seltsamen weißen Muster auf der Stirn. Mit einem Satz sprang das Tier von Fenstersims und mit einem weiteren auf den Esstisch. Es schlenderte langsam an Arat vorbei um dann vor Ogrin stehen zu bleiben. Der alte Mann freute sich über die Heimkehr seines Freundes und tätschelte ihm liebevoll den Kopf.
„Hast dich dieses Mal aber ganz schöne lange herumgeschlichen. Hast du etwas Interessantes auf deinem Weg entdeckt?“
Der schwarze Fuchs legte seinen Kopf etwas schief und blickte Ogrin mit seinen eisblauen Augen an.
Nach kurzer Zeit des Schweigens blickte Ogrin auf und sagte,
„Wie es scheint sind die Soldaten mit deinem Onkel ihr im Wald unterwegs.“
Frederic stand auf und ging zum Esstisch.
„Und das hat ihnen gerade dieser Fuchs erzählt?“
Torgin lachte. Frederic verstand nicht, was an dieser Frage so lustig gewesen ist. Er blickte den alten Geschichtenerzähler verwirrt an und hoffte auf eine Antwort.
„Nicht alle Tiere haben die Gabe des Sprechens verloren. Diese kleine Dame…“
Während Ogrin sprach kraulte er der Füchsin das Ohr, was sie ziemlich genoss.
„…stammt von der anderen Seite des Waldes. Einst als die Elben unser Land erkundeten, da traf ich auf sie und ich erhielt die Gabe mit den Tieren zu sprechen.“
„Ja nur nicht ohne einen Preis dafür zu bezahlen. Sie lehrten dich die Sprache der Tiere und dafür musst du für ewig den Wald hüten.“
Ogrin lächelte leicht.
„Was für eine schmerzlicher Preis, obwohl ich so wie so niemals diesen wunderschönen Ort verlassen hätte“,
ein Schwung von Sarkasmus lag in seiner Stimme.
Arat, dem der gesamte Elben und Zauber Mist schon zu den Ohren raus hing sagte genervt,
„Elben hier Elben da, meint ihr nicht dass es im Moment wichtiger wäre zu klären, wohin die Soldaten mit meinem Onkel wollen?!“
Arat hatte Recht und das wusste jeder im Raum. So spannend die Geschichten über die Elben auch waren, wichtiger war es heraus zu finden was der König von Frivern wollte und wieso die Soldaten ihn nicht zum Königspalast brachten, sondern hier in den Wald.
Nur wieder willig brachte Arat den nächsten Satz heraus. Er konnte sich nicht vorstellen, dass dieses Tier in der Lage war zu Sprechen und geschweige denn so, dass es ein Mensch verstand. Irgendwie jedoch musste Ogrin an diese Nachricht gekommen sein.
„Hat dieses Tier die sonst noch etwas erzählt? Vielleicht wo die Soldaten sich genau befinden oder wo sie hinwollen?“
Die Füchsin legte den Kopf wieder schief und lief dann direkt auf Arat zu und setzte sich genau vorhin. Er hatte das Gefühl, dass ihr Blick ihn förmlich durchbohrten.
Plötzlich hörte leise eine Frauenstimme in seinem Kopf. Sie klang wunderschön und friedlich. Als die ersten Worte ertönten klang es so also würde jemand singen.
„Auch du besitzt die Gabe mit Tieren zu sprechen, Elbensohn. Ich werde dir verraten wohin die Soldaten deinen Onkel gebracht haben. Doch vorher muss ich dich warnen. Wenn du dich auf die Suche nach deinem Onkel begibst dann wirst du nicht nur ihn finden sondern auch deine Vergangenheit, deine wahre Herkunft.
Dein Leben wird sich vollends verändern und nichts wird mehr so sein wie es einmal war.
Du hast die Wahl. Lebe dein Leben weiter ohne deinem Onkel und mit der Ungewissheit was mit ihm geschehen ist oder aber trete deinem Schicksal entgegen, finde deinen Onkel und deine Bestimmung.“

Arat zögerte einen Moment. Er konnte es immer noch nicht glauben mit einem Fuchs zu reden und genauso wenig das was sie erzählte. Doch egal was es war, er würde alles Opfern nur um seinen Onkel zu retten, der ihn als kleines Kind aufnahm, ihm ein zu Hause gab, ihn mit allem versorgte und ihm wie ein Vater war. Er würde den Lakein des Königs über all hin folgen. Entschlossen sagte er,
„Um meinen Onkel zurück zu holen würde ich alles tun. Also sag mir wohin ich gehen muss.“
„Die Soldaten warten an einem Heiligen Ort. Er liegt nicht weit von deinem Dorf entfernt im Wald. Dort befindet sich ein Portal. Es verbindet deine Welt mit meiner. Sie scheinen auf jemanden zu warten. Ich schätze mal dass nicht der König es auf deinen Onkel abgesehen hat sondern jemand anderes und der kommt aus meiner Welt.“
„Dann sollten wir so schnell wie möglich aufbrechen, bevor er wieder dorthin verschwindet von wo er kommt.“
„Das Portal kann immer nur dann geöffnet werden wenn Vollmond ist und wenn ich mich nicht recht täusche, dann haben wir erst nächste Nacht Vollmond.
Elbensohn, geh bei Aufbruch der Dämmerung zurück in dein Dorf, bewaffne dich und komm wenn die Sonne am höchsten steht an den Rand des Waldes. Dort werde ich auf dich warten. Ab jetzt begleite ich dich auf deinem Weg und werde dir zu Rat und Tat zur Seite stehen.“
„Ich danke dir Fuchs.“

„Du brauchst dich nicht zu bedanken. Ich erfülle nur meine Aufgabe. Ach so und nenn mich doch bitte Shaylin.“
Die Verbindung der beiden brach ab. Shaylin ging noch einmal zu Ogrin, blieb kurz stehen und verlies anschließend über denselben Weg wie sie gekommen war das Haus.
Gespannt schaute jeder zu Arat, nur Ogrin nicht, er wusste anscheinend bescheid.
Shiva war die erste, die das Schweigen brach.
„Sie hat mit dir gesprochen hab ich recht? Was hat sie dir erzählt?“Noch bevor Arat etwas antworten konnte sagte Ogrin,
„Was Arat offenbart wurde, dass war nur für ihn bestimmt.“Frederic, der immer noch am Esstisch stand, wurde wieder zornig.
„Ich finde wir haben alle ein Recht darauf zu erfahren wieso sein Onkel dieses Unheil über unser Dorf gebracht hatte. Ich will wissen wieso die Soldaten nun kamen und ich werde nicht vorher ruhe geben ehe ich es nicht erfahren habe.“
Arat stand auf und stellte sich direkt vor Frederic. Zwischen ihren Gesichtern war nur noch ein Handbreiter abstand. Jeder konnte den Atem des anderen spüren. Golderic erhob sich aus seinem Sessel blieb jedoch dort stehen.
„Nun sag schon“,
brüllte Frederic.
„Ich habe nicht erfahren wieso sie meinen Onkel mitnahmen und auch nicht wieso gleich so viele Soldaten ins unser Dorf kamen. Alles was ich weiß ist wo mein Onkel ist und wie ich zu ihm komme.“ Völlig ruhig und gelassen wandte sich Arat von Frederic ab und ging zur Tür und aus dem Haus. Noch bevor Frederic hinterher stürmen konnte, redete Torgin auf ihn ein.
Shiva wusste dass es richtig gewesen wäre Arat jetzt alleine zu lassen, ihn und seine Gedanken aber sie konnte es nicht. Während Torgin sich mit Frederic aus einander setzte und versuchte etwas von Ogrin zu erfahren, ging Shiva unbemerkt zu Arat hinaus.
Er saß auf einem kleinen Holzstumpf, der üblicher weiße zum Holzhacken benutzt wurde. Obwohl er Shiva bemerkte, schaute er weiter in den dunklen Wald hinein.
Kein Licht drang durch das dichte Blätterdach und so verschwand das Innere des Waldes in einem tiefen undurchdringlichen Schwarz. Zum Glück stand das Haus auf einer kleinen Lichtung. Wenigstens hier konnte das schwache Licht des Mondes die Umgebung ein wenig erhellen.
Shiva stellte sich neben Arat und blickte ebenfalls in den schwarzen Wald. Eine kurze Zeit verweilten sie so bis Arat schließlich das Schweigen brach.
„Siehst du das dort hinten? Dort an der alten Eiche.“
Arat zeigte zu einem sehr alten Baum. Sein Stamm hatte einen solch enormen Umfang, dass er schon weit mehr als hundert Winter erlebt haben musste. Sein Blätterdach schimmerte schon an einigen Stellen rot und gelb. Die ersten Zeichen, die der Herbst mit sich brachte.
„Auf dem niedrigsten Ast sitzt ein Schemen. Zum Glück scheint der Mond hier.“
Arat schmunzelte leicht. Shiva hingegen fand das alles andere als zum schmunzeln.
„Wir glücklichen!“,
antwortete sie schnippisch.
„Jetzt ist er weg.“
„Besser ist es für uns. Ich wäre ihm nicht gerne begegnet, wenn das Mondlicht schwindet.“

Arat wandte sich nun zu Shiva um, sah sie jedoch nicht an.
„Du willst sicher wissen was die Füchsin zu mir gesagt hat, oder?“
„Wenn du es mir erzählen möchtest das tu es. Ich bin aber nicht deshalb hier raus gekommen.“
„Sondern?“

Erst jetzt schaute Arat in Shivas grüne Augen.
„Ich bin hier, weil ich sehen wollte wie es dir geht. Dich scheint dass was dir Shaylin gesagt hat ziemlich zu verwirren. Jedenfalls wirktest du so.“
Stille trat ein. Arat wollte Shiva nicht mit seinen Angelegenheiten belästigen. Doch am meisten beschäftigte ihn das Wort „Elbensohn“, denn so nannte ihn Shaylin. Er wollte mit jemandem darüber reden und seine Gedanken teilen. Torgin wäre sicherlich der Richtige dafür gewesen aber er bevorzugte Shiva. Ja, ihr hatte er sich schon im Wald geöffnet. Er hat ihr Dinge erzählt die sonst niemand über ihn wusste, manches nicht ein mal sein Onkel. Sie wäre die Richtige dafür aber nicht jetzt. Er würde es später tun, wenn sie auf dem Heimweg waren und jeder mit seinen eigenen Dingen beschäftigt. Außerdem war der Schemen wieder aufgetaucht und mit ihm noch zwei weitere. Dicke Wolken zogen auf und würden bald den Mond verdecken.
„Wir sollten lieber wieder herein gehen. Der Mond wird bald hinter den Wolken verschwinden. Die Schemen warten nur darauf.“
„Die Schemen? Ich bin dafür das wir uns beeilen!“

Arat packte Shiva an der Hand und ging mit ihr zum Haus zurück. Vor der Tür blieb er stehen. Er schaute ihr tief in die Augen und sagte ganz leise, so das es niemand hinter der Tür hören konnte, „Wenn wir später aufbrechen, dann werde ich dir alles erzählen.“
Shiva lächelten ihn an und öffnete die Tür. Für sie war es ein großer Vertrauensbeweis, den Arat ihr gab.
Im Haus waren die Kerzen gelöscht worden, nur der Kamin spendete noch einen jämmerlichen Funken an Licht. Meverin lag mit Shivas Bruder im Bett und schlief, genauso wie Golderic in seinem Sessel. Frederic hingegen saß am Esstisch und starrte an die Decke. Als die Beiden zu den Drein am Esstisch liefen sagte Torgin leise zu Shiva,
„Es wäre besser wenn du dich noch ein wenig hinlegst. Bis zur Dämmerung sind es nur noch wenige Stunden.“
Ohne zu widersprechen legte sich Shiva auf das Sofa und versuchte etwas zu schlafen.
Ihre Gedanken kreisten um Arat und dem was er ihr erzählen würde. Was hatte Shaylin ihm so geheimnisvolles erzählt. Sicherlich den Ort wo die Soldaten waren aber da musste noch mehr sein. Irgendwann riss der Gedankenfaden ab und Shiva schlief ein.

Wenn euch meine Geschichte gefällt, dann stell auch noch die nächsten Kapitel on.
Hoffe das jemand auch bis hier nach unten stößt ^^ und ein Kommentar hinterlässt!


[Editiert am 26/5/2007 um 17:02 von Luinwe]



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Atra Esterní ono thelduin, Mor`ranr lífa unin Hjarta onr, un du Evarínja ono varda.
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